Biografie aus der Dritten Welt

Ich habe den neuen Broder noch nicht gelesen, habe mich aber auch nicht um ein Exemplar beim Bodenseepeter bemüht. Ehrlich gesagt, finde ich Broder auch etwas scheinheilig, aber da Matthias´ Buchempfehlungen bisher immer recht zuverlässig waren, werde ich mir den Zyniker mit eingebauter Spiegel-Kolummne mal antun. Wollte ich sogar schon zum Urlaub, der gestern hätte beginnen sollen, aber da hat mir das Kranksein einen Strich durch die Reiserechnung gemacht. In eine ähnliche Kerbe wie Broder haut übrigens die umstrittene niederländische Politikerin Ayaan Hirsi Ali in ihrer Autobiografie “Mein Leben, meine Freiheit”, die bei Piper erscheint. Sie kritisiert den Islam und den falschen Toleranzbegriff des Westens. Vor allem aber stellt sie die eine entscheidende Frage, die ihrer Autobiografie Existenzberechtigung verleiht: “Wie viele Mädchen, die im November 1969 im Digfeer Hospital in Mogadischu zur Welt kamen, sind noch am Leben? Wie viele können sich artikulieren?” Es ist die Autobiografie einer Frau, die dagegen aufbegehrte, “dass es ihr einziges Lebensziel sein soll, Söhne zu gebären, dass sie jeden Abend für den Tod aller Juden beten muss, dass es Zwangsheiraten gibt. Ich habe mich für Freiheit und Vernunft entschieden, gegen Aberglaube und Vorurteile. Aber ich habe nicht gewusst, wie schwer es wird.”
Der Biograf als Aufklärer? Aber gerne.

Und wenn wir schon bei Aufklärern sind, ist es nicht köstlich, wie auf dem Konstanzer Historikertag immer nur die Rede von Herrn K. war, wenn es sich um Guido Knopp handelte. Der Jenaer Zeithistoriker Norbert Frei bezeichnete das Verfahren des ZDF-Manns gar als “Geschichtspornografie”. Die Taz hat dazu einen erhellenden Beitrag. Ich finde, dieses Konstanzer Konzil sollte noch ausführlicher betrachtet werden. Schließlich geht´s dabei indirekt auch um uns Biografen. Aber jetzt werde ich noch ein bisschen rekonvaleszieren und mich von der besten Pflegekraft der Welt umsorgen lassen…

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