Feiertag für Biografen

Auch im Leben eines Biografen gibt es besondere Tage. Gestern war wieder einer. Gegen Mittag wuchtete ein unfreundlicher Mitarbeiter eines Lgogistikunternehmens ein großes Paket vor meine Haustür. Papier ist nicht nur geduldig, sondern auch schwer. Auch wenn ich schon einige Berufsjahre auf dem Buckel habe, ist es immer wieder ein besonderer Moment, wenn ein neues Buch aus der Druckerei geliefert wird. Ich reiße den Karton unsanft auf und hole ein Buch heraus. Eingeschweißt in die Plastikhülle wirkt es irgendwie noch “ungeboren”. Also auch weg mit dieser Verpackung. Ich drehe das Buch in den Händen und ertappe mich dabei, dass ich den Klappentext lese, den ich auswendig kann, weil ich ihn ganz zuletzt selbst geschrieben habe. Ich schlage das Buch auf und lasse die Seiten über den Daumen gleiten. Bei der einen oder anderen Fotoseite halte ich inne. Schön ist es geworden. Ich bin stolz auf meine Arbeit.

Leider ist dieser Moment nur kurz. Als ich erneut auf die Titelseite schaue, kommen mir Zweifel. Ist da nicht ein leichter Gelbstich? Ich blättere wieder im Buch. Warum ist das Foto auf Seite 114 so unscharf? Und den letzten Absatz auf Seite 128 hätte ich besser umbrechen sollen, oder? Da ist er wieder, der professionelle Blick, der immer nach Fehler sucht und auch dort welche findet, wo ein “unbedarfter” Leser nichts entdecken kann.

Meine Auftraggeberin wird über das ganze Gesicht strahlen, wenn sie ihr Buch das erste Mal in die Hand nimmt. Bei ihr wird dieses Lächeln auch immer wieder zurück kommen, wenn sie ihre (Auto)Biografie in den kommenden Wochen und Monaten in die Hand nimmt, anderen schenkt oder daraus vorliest.

Schluss mit der Kritik. Jetzt freue ich mich auf morgen. Schließlich ist dann schon wieder ein Festtag, denn ich werde meiner Auftraggeberin das Buch persönlich überreichen und dabei in ihr strahlendes Lächeln schauen.

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