Jahrgang 1926/27

“Sie sind heute achtzig, sind haltbarer, als ihre Väter es waren und gegenwärtig wird ihre Haltung neu hinterfragt”, schreibt Dieter Lattmann in einem bemerkenswerten Buch, das sich der Initiative von Alfred Neven DuMont verdankt: “Jahrgang 1926/27. Erinnerungen an die Jahre unterm Hakenkreuz”. Dieter Hildebrandt, Hans-Dietrich Genscher, Uta Ranke-Heinemann und 24 weitere Prominente erzählen über ihre Jugend. Aufgewachsen im Dritten Reich, wurden sie erst Flakhelfer, in den letzten beiden Kriegsjahren als Soldat verheizt. Die Anthologie zeigt exemplarisch typische Werdegänge. Gleichzeitig wehren sich die Autoren aber immer wieder gegen die “Arroganz der Nachgeborenen” (Günter de Bruyn), die ihnen Zugehörigkeiten zur NSDAP oder SS vorwerfen. “Die, die uns heute im Prinzip richtigerweise kritisieren, wir hätten nicht alles vorausgesehen und verhindert… erscheinen mir für eine solche Kritik oft alles andere als qualifiziert. Sie vermögen sich weder in die damals … vorherrschenden Realitäten noch in das damalige Denken hineinzuversetzen” urteilt Carl H. Hahn. Als Biograf weiß ich, was er damit meint, auch wenn sich der Historiker in mir manchmal dagegen sträuben will. Dieter Lattmann hat jedenfalls recht: “Anfang und Ende waren bei ihnen verkehrt. Als Kinder und junge Leute mussten sie immerzu Abschied nehmen, im Umbruch der Zeiten und Werte.” Aus den Flakhelfern wurde nach 1945 die “Aufbaugeneration”. Wir sollten sie Bilanz ziehen lassen, ohne überheblich über sie zu urteilen.

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