Stauffenberg und die Geschichte

Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg wäre heute 100 Jahre alt geworden. Sein Attentat auf Hitler musste er mit dem Leben bezahlen. Der Historiker Peter Hoffmann schreibt dazu heute in der Süddeutschen Zeitung: ” . . . Die Verschwörer galten vielen als Verräter, die Alliierten machten sie als opportunistische Putschisten verächtlich. In der deutschen Bevökerung wirkten diese Urteile lange nach. 1994 … fanden in der Bundesrepublik nur 47 Prozent, dass man den 20. Juli 1944 in Ehren halten solle, 44 Prozent erklärten das für nicht angebracht.” Wie kann das sein? Aus den Erzählungen von Zeitzeugen hörte ich beispielsweise, man habe es damals als “feige” empfunden, dass Stauffenberg eine Bombe legte und sich aus dem Staube machte (hätte er Hitler erschossen und wäre dabei umgebracht worden, so wäre dies gemäß diesen Anschauungen aber ehrenhaft gewesen). Ja, die Zeitgebundenheit und die Wertvorstellungen und Normen - im Nachhinein kann man nur den Kopf schütteln, wie man seinerzeit selbigen in den Sand steckte. Aber auch Stauffenberg selbst war ein Kind seiner Zeit. Er begrüßte zuächst den Nationalsozialismus, erst der Krieg (und die Massaker) in Russland machten ihn zum aktiven Gegner Hitlers. Der Erfolg seines Attentates hätte vermutlich Millionen Menschen das Leben gerettet. Wie die Welt und Deutschland heute aussehen würde - wir wissen es nicht.

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