Eva, Adolf und die Sprachwarte

Auch aus der Geschichte des Dritten Reiches wird jedenfalls nach und nach ein quasi-religiöses System mit seinen eigenen Tabus”, schreibt die Süddeutsche in ihrer Besprechung zweier neuer Romane  von Norman Mailer und  Eric-Emmanuel Schmitt über Adolf Hitler. Während bei Mailer Hitler eher ein “Angestelltes des Satans” ist, steht für Schmitt eher Adolf H. im Vordergrund, der nach einer Psychotherapie bei Freud sich eines Lebens als surrealistischer Maler erfreut. Um aber nochmal auf den Ausgangssatz dieses Beitrags zurückzukommen, heute nervte mich ein Artikel in der Zeitung, dass nämlich die unsägliche Eva Hermann sich erneut eines Fauxpas schuldig gemacht habe. Ich halte ihre Thesen und ihre Persönlichkeit ja für einigermaßen daneben, aber wenn dann ihre Verteidigung - eine zum Teil gleichgeschaltete Presse habe sie  vorsätzlich liquidiert - als weiterer Anklagepunkt gegen sie vorgebracht wird, dann weiß ich auch nicht mehr. Sie habe damit wieder “lingua Tertii Imperii” verwandt, also sich des Nazivokabulars bedient. Kann ja sein, nur warum regen sich Journalisten über die Wörter “Gleichschaltung” und “Liquidieren” auf? “Volkswagen” ist ein schließlich auch “unabdingbarer” Bestand auf unseren Autobahnen. Und wenn wieder einmal der Schornsteinfeger an der Haustür klingt, dann werde ich ihm “fanatisch” entgegenschleudern, dass sein Berufsstand eine Ausgeburt des Dritten Reiches ist und ich ihn deswegen nicht hereinlassen will.  Aber ob mein “unerschütterlicher Glaube”, dass in einer modernen Heizung zu wenig Russ für das Ausfegen des Kamins anfällt, ihn irgendwie beeindruckt,  kann ich mir auch nicht vorstellen.

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