Was für eine Geschichte

Gestern habe ich die Interviews mit meiner bisher ältesten Erzählerin abgeschlossen. Im 96. Lebensjahr ist sie. Was das bedeutet? Kindheit im Kaiserreich und im Ersten Weltkrieg, Schule und Jugendzeit in der Weimarer Republik. Verliebt, verlobt, verheiratet und schließlich verwitwet im Dritten Reich. Alleinerziehende Mutter im Adenauer-Deutschland. Als Groß- und Urgroßmutter sorgender Ruhepol ihrer Familie. Schlussendlich vom Sohn abgeschoben in ein Altenheim, der Einsamkeit preisgegeben. Schon lange hegte sie den Wunsch, alles Erlebte einmal aufzuschreiben. Jetzt macht eine Enkelin es möglich.

Nach drei Tagen Interviews sitze ich ein bisschen fassungslos wieder an meinem Schreibtisch. Was für ein Leben! Und was für eine wunderbare Aufgabe es zu dokumentieren!

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