Viel Rauch um Reemtsma

“Reich und berühmt” müssen sie nicht werden, die Reemtsmas. Sind sie ja schon. Und Erik Lindner, der die Biografie der Familie geschrieben hat, ist gestern mit einem Beitrag in TitelThesenTemperamente bedacht worden. Die Quintessenz: als Unternehmer haben sich die Reemtsmas “mit jedem Regime - auch den Nationalsozialisten - arrangiert”. Hmm, also auch mit den Regimes der Weimarer und der Bonner Republik? Unglaublich, Skandal! Als wichtiger Zeuge wurde in der Sendung ein Cousin von Jan-Philipp Reemtsma befragt (der nicht in der Erbfolge bedacht worden war, also leer ausging). Er sagte unter anderem: “Makaber, wenn bei Jan Philipp die gesamte Wehrmacht als Täter erscheint – und dann Philipp Reemtsma als eine Art Opfer, jemand, der Millionen und Millionen Wehrmachtsangehörige und Deutsche versorgt hat mit schlimmster NS-Propaganda.” Damit meinte er - die Sammelbilder, die damals jeder Zigarettenpackung beilagen. Nazibildchen, die damals jedes Kind sammelte. Und dann wurde auch noch ein Foto eines Reemtsma-Onkels in schwarzer SS-Uniform eingeblendet. Uiuiui. Lindner durfte das Familienarchiv benutzen, Jan-Philipp Reemtsma schweigt ansonsten zu seiner Familiengeschichte, warum auch immer. Vielleicht war ihm auch einfach klar, was der Hessische Rundfunk daraus machen würde. Für mich war der Beitrag ein Sturm im Wasserglas voll kalten Kaffees, genauso wie der Nachrichtenaufmacher vom endlich gefundenen Stasi-Schießbefehl. Hat ja noch keiner nie was davon gewusst gehabt. Aber so ist das mit der Aufmerksamkeit der Medien.
Der nächste Hype kommt bestimmt: Keith Richards will seine Autobiografie schreiben. Dabei steht sie ihm schon lange ins Gesicht geschrieben, dem ollen Rolling-Stones-Gitaristen…

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