Was taugt schon “Dein Lebensfilm”?

Die F.A.Z. mag keine Biografien. Zumindest keine banalen von “einfachen Menschen”. Oder habe ich die Glosse im Feuilleton nicht ironisch genug aufgefasst? Es geht um einen Wettbewerb, den das DHM (Deutsche Historische Museum in Berlin) ausgeschrieben hat: DHM und die Stiftung “Dialog der Generationen” suchen Teilnehmer an ihrem Biographien-Wettbewerb “Was für ein Leben!” Dabei können biographische Skizzen von Familienmitgliedern, Freunden oder vom Einsender selbst “als Beispiele für einen interessanten Lebenslauf” eingereicht werden. Interessant ist eine Biographie, in der sich “Ereignisse der deutschen Geschichte einschneidend niederschlagen”, “ein bestimmtes Milieu und sein Alltag sehr konkret deutlich wird” oder “eine beeindruckende persönliche Entwicklung stattfindet”. Der Aufruf richte sich, so die F.A.Z., eher an jene, die froh sind, wenn sie von sich sagen können, sie seien irgendwo und irgendwann dabeigewesen, als irgend etwas geschah.
Als Preis winkt den Teilnehmern ein persönlicher, fünfundvierzigminütiger Lebensfilm im Wert von zehntausend Euro. Die F.A.Z. findet dies “karg bemessen” und meint: ”Ach, es gibt Wettbewerbe, an denen man für sein Leben gern nicht teilnimmt.” Die Frage stellt sich nun: hat die Biografie eines normalen Menschen überhaupt den Hauch einer Chance gegen das aufregende Leben eines F.A.Z.-Redakteurs zu bestehen (Abenteuerliche Parkplatzsuche mit dem Dienstwagen. ”Verdammt, der Kaffee ist alle!” Redaktionskonferenz, Flirt mit der Praktikantin etc.)?
Wir wissen es nicht, werden es wohl auch niemals erfahren. Wenn nicht doch in einigen Jahren die sensationelle Autobiographie “Dahinter steckt ein kluger Kopf” erscheint…

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