Nochmal Grass und Konsorten

Ein Mann steht vor zweitausend Menschen auf und ruft: “Ich grüße meine Kameraden von der SS!” Dann setzt er sich ein Fläschen Zyankali an die Lippen und trinkt.

Das ganze geschah 1969 auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart während einer Veranstaltung mit Günter Grass. Selbstverständlich verarbeitete unser aller Nobelpreisträger dieses Ereignis literarisch und porträtierte den Selbstmörder Manfred Augst in “Aus dem Tagebuch einer Schnecke”. 35 Jahre später findet Ute Scheub, Manfred Augsts Tochter, Abschiedsbriefe, verschiedene Manuskripte und Feldpostbriefe ihres Vaters. Es beginnt eine Spurensuche, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass die Leichen im Keller unserer Väter auch unsere Leichen sind. Selten habe ich in einer Biografie mehr über Schuld und Unschuld unserer Väter und die Unfähigkeit, darüber zu reden, erfahren. Unbedingt Lesenswert! Ute Scheub. Das falsche Leben. Eine Vatersuche. München 2006 (Piper)

Ein Kommentar zu “Nochmal Grass und Konsorten”

  1. Ronald Decker
    September 13th, 2006 21:42
    1

    Ute Scheub stammt übrigens aus Tübingen, auch wenn sie ihren Mädchennamen nicht preisgibt. Jedenfalls muss ihr Vater lange vor meiner Zeit mit dem Fahrrad regelmäßig hier vorbeigefahren sein, wo ich nun sitze. Die Welt ist einfach klein.

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