Mit der Cessna ins “Reich des Bösen”

Vor 20 Jahren landete Matthias Rust mit seiner Cessna mitten in Moskau, in der Nähe des Roten Platzes. Was heute immerhin eine Kuriosität wäre, bildete damals einen Ausbund an Unverfrorenheit und Tollkühnheit, wenn man mir diese Worte nachsehen möge. Denn damals hatte Gorbatschows Perestroika zwar schon zwei Jährchen hinter sich und der Kalte Krieg schien zu lahmen - doch dass ein 19-jähriger Hobbypilot am “Tag der sowjetischen Grenztruppen” unbehelligt nach Moskau fliegen konnte, war einfach der Knüller. Und zeigte, wie sinnlos die ganze Abschreckung mit ihren Waffenarsenalen war. Was ja 2001 erneut bewiesen wurde, dann aber von Terroristen und nicht von einem verschrobenen Exzentriker. Gorbatschow nutzte den Flug seinerzeit, um einige seiner politischen Gegner im militärischen Apparat in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Ich war damals gerade in Uppsala/Schweden auf einem Kurs in Friedens- und Konfliktforschung. Die Geschehnisse erzählte mir ein fröhlich glucksender schwedischer Dozent. Das war ja schon fast eine Adelung - ein junger Deutscher trickst das sowjetische Militärimperium aus.
Rust soll sich inzwischen übrigens als professioneller Pokerspieler durchs Leben schlagen. Richtig Glück hat ihm sein Flug nie gebracht.

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