Wenn Biografen stiften gehen

Das ist jetzt der neueste Kniff, wie man sich am Markt positionieren kann: Man macht eine Stiftung auf. Stiftung klingt nach Ehrenhaftigkeit und Unentgeltlichkeit, zumindest nach Gemeinnützigkeit. Das muss doch seriös sein. Was aber, wenn eine Stiftung Autobiografien schreibt? Macht sie das umsonst, im Sinne einer Bewahrung? Aber wer schreibt schon gerne umsonst und ehrenamtlich Biografien? Sehr seltsam. Ich denke, zuvörderst sind hier zwei Motive erkennbar: Zum einen spart man sich als Stiftung das Steuerzahlen, zum anderen findet man vielleicht noch den einen oder anderen Professor, mit dem man sich als Kurator schmücken kann.

Da finde ich es fast schon ehrlich, dass nun auch die berüchtigten Zuschussverlage das Feld der Autobiografie für sich entdeckt habe, immerhin müssen sie da dem Kunden, der ja eh nicht unbedingt an einem kommerziellen Erfolg seines Buches interessiert ist, auch nicht vorflunkern, seine Autobiografie werde ein Renner. Und wenn sie das doch als Verkaufsargument benutzen, dann nur, weil sie es nicht anders kennen und können - und manche Menschen halt fest daran glauben, dass Hollywood schon wartet…

Ein Kommentar zu “Wenn Biografen stiften gehen”

  1. -> Biografieblog Startseite » Blog Archive » Abzocke-> Biografie | Biografie schreiben | Biographische Dienste | Ronald Decker
    Mai 11th, 2007 17:03
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    […] Mit dem Wunsch, endlich die eigene Geschichte im Regal des Buchhändlers zu finden, lässt sich vortrefflich Geld verdienen. Darauf hat Ronald hier schon hingewiesen. Gerade erzählte mir eine Dame am Telefon ihre Leidensgeschichte. Sie hatte 270 Seiten selbst verfassten Text an einen der Großen in der Vanity-Verlagsbranche geschickt. Wie nicht anders zu erwarten, teilte man ihr mit, dass man ihr Buch gerne „verlegen“ würde. Leider aber müsse man einen Druckkostenzuschuss von 12.000 Euro berechnen. Die Dame zahlte. Bevor das Buch hergestellt wurde, kamen ihr Zweifel, ob der Text gut genug sei. Sie hatte noch viel unverarbeitetes Material und bat den „Verlag“, ihr einen Ghostwriter zu nennen. Kein Problem, der Verlag googelte und benannte drei Kollegen – mein Name war auch darunter. Leider entschied sich die Dame nicht für mich, sondern für den räumlich naheliegensten Anbieter, ein Unternehmen aus der wissenschaftlichen Geisterecke, hübsch als Consultingunternehmen aufgemacht samt Chef mit Doktortitel. Die Abwicklung entsprach aber nun gar nicht dem schönen Schein. Der Vertrag wurde nur mündlich geschlossen, als Fixhonorar wurden 20.000 Euro vereinbart. „Dafür mache ich Ihnen ein schönes Buch“ – Originalton Ghostwriter. Sprachs und verschwand mit den schon geschriebenen 270 Seiten sowie 10 Ordner voller nicht verarbeitetem Material. Inzwischen hat er das Manuskript abgeliefert. Umfang 300 Seiten. 30 Seiten mehr als der Ausgangstext, den er ansonsten aber wohl so gut fand, dass er ihn nicht sonderlich veränderte. Weil das ganze aber so viel Arbeit war, musste unser fleißiges Geistschreiberlein leider noch 4000 Euro mehr in Rechnung stellen. […]

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