Sprachverirrung

Jeder Biograf, der schon einmal die Lebensgeschichte eines Mannes zu Papier gebracht hat, der den Weltkrieg als Soldat erlebte, kennt das Problem. Je tiefer man in die traumatischen Erinnerungen eindringt, je mehr verfällt der Erzähler in die damals alltägliche “Sprache des Unmenschen”. Das sagt wenig bis gar nichts über die Einstellung des Erzählers zur NS-Dikatatur und seinem damaligen Verhalten aus. Ein guter Biograf geht dann möglichst feinfühlig mit den Erinnerungen um. Er wird versuchen, die Sprach so weit wie möglich zu “entmilitarisieren”.

Von einem Verlag kann man sich das erst recht wünschen. Zumindest in der PR-Abteilung des keineswegs einer Nähe zu rechten oder militaristischen Kreisen verdächtigen Helios-Verlages scheint man sich dieser Problematik nicht bewusst zu sein. Anders ist die Ankündigung der Autobiografie eines Welkrieg II-Piloten nicht zu erklären. Da wimmelt es nur so von Luftsiegen, wird der Autor zum Alptraum der russischen Luftwaffe erklärt, der unerreichte Leistungen im Luftkampf erbrachte und eine Erfolgsserie von 206 Luftsiegen vorzuweisen hat. Liebe Leute vom Helios-Verlag: Ihr versteht sicherlich etwas vom Bücher machen. Davon, wie man sprachlich mit den Erinnerungen von deutschen Weltkriegssoldaten umgeht, aber augenscheinlich nicht. Vielleicht holt Ihr Euch in Zukunft einfach Hilfe bei einem erfahrenen Biografen.

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