Inselbiografie mit Sprengkraft

Eine Insel kann durchaus eine bewegte Biografie hinter sich haben. So auch Helgoland. Heute, am 18. April, vor 60 Jahren sollte sie in die Luft gesprengt werden. Es war die größte nichtnukleare Sprengung der Geschichte. Knapp 6700 Tonnen Sprengstoff wurden im ehemaligen deutschen U-Boot-Bunker zur Explosion gebracht, der Rauchpilz ragte neun Kilometer in die Atmosphäre. Sein Ziel erreichte der enorme Aufwand nicht, die Insel blieb bestehen. Na gut, vielleicht wollten die Engländer, denen Helgoland als militärischer Vorposten Deutschlands ein Dorn im Auge war, ja auch nur überzählige Munition vernichten…
Die von der Insel vorher evakuierten Helgoländer setzten alles daran, wieder zurückkehren zu dürfen: Appelle an die Bundesregierung, UNO, das britische Unterhaus und den Papst. 1950 “besetzten” zwei deutsche Studenten die Insel und hissten eine Deutschlandfahne und eine der Europäischen Bewegung (mit EU war noch nix). Ihr Protest stieß auf öffentlichen Widerhall. 1951 forderte der deutsche Bundestag die Freigabe Helgolands. Am 1. März 1952 gab Großbritannien die Insel an Deutschland zurück. Fernerhin verpflichteten sich die Engländer, ihre Fußballnationalmannschaft auf das Niveau der Helgoland-Auswahl abzurüsten und nach 1966 in allen WM-Endrunden rechtzeitig auszuscheiden. Vae Victoricis.

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