Wie zuverlässig sind Erinnerungen?

Am 13. und 14. Februar 1945 fand der “Feuersturm”, die verheerenden Bombenangriffe auf Dresden statt. Zahlreiche Augenzeugen berichten, dass nach den Bombern sogleich Tiefflieger angegriffen hätten, die die Überlebenden auf den Elbwiesen “wie Hasen gejagt hätten”. Nur, kann es sein? Wie können Tiefflieger angreifen, wenn aus der Stadt bis zu kilometerhohe Feuersäulen aufsteigen? Fazit: sie konnten nicht und sie taten es auch nicht. Natürlich waren immer wieder Tiefflieger unterwegs, die wahllos auf alles schossen, was sich bewegte. Aber eben nicht am 13. und 14. Februar in Dresden. Historiker wollen dies nun im Sommer endgültig und zweifelsfrei klären. Die Freiflächen der Dresdner Innenstadt sollen nach Spuren von Geschossmunition durchsucht werden. Tatsächlich handelt es sich bei den Erinnerungen der Zeitzeugen um das Phänomen, dass erschütternde Erlebnisse im Gedächtnis akkumulieren und zu einer einzigen Erinnerung verschmelzen. Davor ist kein Mensch gefeit und es bedeutet ja auch nicht, dass er lügt. Das Gedächtnis ist subjektiv, die Wahrheit, die es birgt, auch. Wie sehr man als Biograf auf vermeintliche Objektivität dringen soll, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Während der eine Erzähler auf seiner Version der Dinge beharrt, kann ein anderer froh sein, wenn ihm neue Zusammenhänge aufgezeigt werden.


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