Biografische Puppenstube

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Walter Tiedemann war ein Ostpreuße, den es nach dem Krieg nach Kirchentellinsfurt bei Tübingen verschlug. Als Maurer verdiente er sich in der Nachkriegszeit seine Brötchen und kam dabei in so manches Haus, in dem man des “alten Plunders” überdrüssig war. Er sammelte, was andere wegschmissen. Damit ist heute das Schlossmuseum vollgestopft. Genial, ein Sammelsurium an Epochen, Lebensabschnitten, Gegenständen und Handwerkszeug - kurz und gut: die biografische Wundertüte, vom Wäschestampfer über den Konfirmationsbrief an die “Dote” (Patentante) hin zu einer kompletten Schusterwerkstatt. Wir hatten Glück und bekamen eine individuelle Führung mitsamt ausführlichen Erläuterungen “zur alten Zeit”. Wer in der Nähe ist, dem sei das Museum wärmstens empfohlen.
Es gibt einen Raum, der sich mit der NS-Zeit auseinandersetzt. Darin ausgestellt auch einige Uniformen, so auch eine von SA und SS. Unser Führer (Museum, nicht Braunau) sagte sogleich, dass sich manche Besucher an der Zurschaustellung dieser Uniformen stößen, aber es sei nunmal ein Teil der Geschichte, den man nicht einfach ignorieren könne. Damit hat er recht. Und die kritischen Besucher machen es sich sehr leicht mit ihrer Variante der Vergangenheitsbewältigung. Man kann doch nicht so tun, als hätte es diese Epoche nie gegeben. Weder laufe ich deswegen in einer schwarzen Uniform herum, noch halte ich alle Deutschen für Mörder oder wahlweise nur für “Opfer”. Dies war auch Thema der sonntäglichen TTT, in der es eine Vorschau auf den ARD-Zweiteiler “Die Flucht” gab. Zwei oder dreimal tauchte in der Moderation die Frage auf: “Darf man das zeigen?” Immerhin entschloss sich die Redaktion von TTT dann doch dazu, dem Film ihr Plazet zu geben. Auch wenn Professor Hans-Ulrich Wehler sanft mahnend auf die Verbrechen der Nazizeit hinwies, die man doch nicht vergessen dürfe, wenn man sich bei der “Flucht” der Perspektive der “Opfer” bemächtige. Selbiger Wehler übrigens hat, wie schon mal erwähnt, neulich die Forderung aufgestellt, die Beschäftigung mit den Erinnerungen aus der NS-Zeit gehöre ausschließlich in die Hände der Historiker. Jeder, der sich also 60 Jahre nach dem Krieg mit seinen eigenen Erinnerungen auseinandersetzt, macht dies unautorisiert. Au weia.

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