Hotel-Biografie, Teil 2

Ich musste feststellen, dass die Hotelchefin im Ruhestand mit einem äußerst lückenhaften Gedächtnis gesegnet ist. Immerhin konnten wir einige biografische Eckpfeiler ausmachen. Bessere und detailliertere Erinnerungen kamen von ihrer Tante, d.h. der Frau des Bruders des Schwiegervaters. Sie kam zwar erst 1946 als Flüchtling in den Süden, aber sie half dabei, die Gaststätte physisch wieder aufzubauen. Auch sonst konnte sie einige Familiengeschichten wiedergeben. Dann sprach ich noch mit der Schulfreundin der Hotelchefin, die ebenfalls noch etliche Details beisteuerte. Und sogar ein Tischnachbar in der Wirtsstube, in der wir saßen, Stammgast seit 50 Jahren, erinnerte sich noch an die alten Zeiten. Wenn man fünf Generationen erforschen will, kommt man auch nicht ums Stadtarchiv herum. Die Leute dort sind eigentlich immer hilfsbereit. Wie der Zufall es wollte, war gerade eine Dame der Frauengeschichtswerkstatt anwesend. Sie forschen gerade über Wirtinnen. Perfekt.
Richtig Akten gewälzt habe ich noch nicht, erstmal einen Überblick verschaffen, auch über die Stadt an sich, war mein Ziel. Man muss ja auch das “Flair” erfassen, um sich in andere Menschen, die dort lebten, hineinversetzen zu können. Los ging es im Jahre 1869 mit dem Kauf einer Brauerei - das ist der Startpunkt der Erzählung. Wie lebte es sich in einer kleinen, alten und stolzen Stadt? Und wie lebt es sich heute?
Nächstes Mal möchte ich noch mit den Brüdern der Hotelchefin sprechen, auch eine altgediente ehemalige Bedienung dürfte einiges Interessante wissen. Schließlich steht auch noch die jetzige, amtierende Generation an. Der Sohn, der das Hotel inzwischen leitet, ist dort ja aufgewachsen. Er kennt natürlich auch viele Geschichten von Familie und Hotel. Einen Packen Material habe ich auch schon: alte Photos, Dokumente, eine Jubiläusmchronik aus dem Jahre 1969 und eine Speisekarte aus den 50er-Jahren. Herrlich. Schwäbischer Wurstsalat für 1, 80 DM. Das waren noch Zeiten…

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