Biografie als Aufklärung

Die Türkei hat ja ein Wahrnehmungsproblem hinsichtlich der Ermordung der Armenier im Ersten Weltkrieg. Heute stand in der Stuttgarter Zeitung, dass dort immer mehr (Auto-)Biografien geschrieben werden, in denen Nachkommen und die letzten Überlebenden über die damaligen Massaker und Grausamkeiten berichten. Einzelschicksale haben sehr wohl eine Resonanz, auch wenn es eine ganze Weile noch dauern dürfte, bis man sich in der Türkei von den Greueltaten des Osmanischen Reichs distanzieren wird. Ich habe diese Beleidigte-Leberwurst-Attitude noch nie so richtig verstanden. Als wenn man persönlich angegriffen wird, wenn Geschehnisse, die Jahrzehnte zurück liegen und für die man nicht persönlich verantwortlich ist, zur Sprache gebracht werden. Ich muss aber gestehen, dass die Rezension eines Buches mir eine gewisse Befriedigung gebracht hat. Denn der Autor Antony Grayling, Philosoph und Publizist, setzt sich kritisch (und nicht so hysterisch wie “Der Brand” von Jörg Friedrich) mit dem alliierten Bombenkrieg auseinander. Der wiederum bisher ein Tabuthema in UK und USA war. “Wir sind die Guten” hing mir schon immer und überall zum Hals raus.

Kommentar abgeben:

Sie müssen angemeldet sein um Kommentare abgeben zu können.