Computer und Biografie

Nun, was die Erwartungen an das “Elektronengehirn” angeht, so hat man sich da zuviel, oder besser gesagt das falsche, versprochen. Vor 22 Jahren kaufte ich meinen ersten “PC”. Festplatte gab´s keine. Die im Lieferumfang versprochen leeren Disketten sollten nachgereicht werden. Also saß ich daheim am neuen Computer - und tippte ein Spielprogramm ab. In Basic. Stundenlang. Das spielte ich dann, eine halbe Stunde rannten unkenntliche Pixels quer über den grünleuchtenden Bildschirm. Das abgetippte Programm konnte ich ohne Diskette nicht abspeichern, als ich dann den PC ausmachte und zu Bette ging. Am nächsten Tag die gleiche Tipperei, aber dann konnte ich endlich speichern.
Nun, 22 Jahre später, bin ich seit kurzem in World of Warcraft unterwegs. Eine Fantasiewelt, ermöglicht durch moderne PCs und, v.a. die Standleitung ins Internet, sprich dsl. In WOW kämpft man gegen Monster etc., aber das eigentlich Faszinierende sind menschliche Mitspieler, mit denen man sich zusammentun kann. Gestern war ich mit Yellowheart unterwegs, der sich mit jener Fantasiewelt besser auskennt. Und nach stundenlangem Kämpfen konnten wir einen der Oberbösen besiegen. Yellowheart, der wissen wollte, wie ich alt ich bin, war wohl überrascht, dass auch so olle Säcke in WOW unterwegs sind. Er selber ist 17.
Und da schließt sich der Bezug zum Thema “Biografie” an. Es ist schlichtweg einer jener gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und was-weiß-ich Entwicklungen, die die Welt verändert haben. Ich meine den Computer. Ohne PCs würde es kaum Biografien geben. Mit Schreibmaschine getippte Manuskripte beim Schriftsetzer abgeben, zum Buchbinder bringen… Den Aufwand könnte keiner zahlen. Ohne Digitaldruck wären keine kostengünstigen kleine Buchauflagen möglich. Und ein Schreibmaschinen-Manuskript im Copyshop fotokopieren lassen, vergiss es. Verneigen wir uns also vor den Rechenmaschinen (deren Technik einen ja auch immer noch in die Demut treiben kann) in Dankbarkeit, dass sie uns unseren Job ermöglicht haben und uns unsere Zeit stehlen. Und begeben uns, für nur noch winzige fünf Minuten, in die nächste Höhle voller Monster…
Das wird vielleicht für die Mittelalten auch noch eine Frage für die Biografie werden: “Was war Ihr erster Computer?”

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