Das Wort zum Dienstag

Na, das ist doch mal was. Beim Stöbern bin ich auf die Radioandacht des MDR 1 vom 14. Januar gestoßen. Die Pfarrerin Elisabeth Langerfeld befasst sich mit Lebensgeschichten: “Längst nicht alle Menschen können ihre einmalige Geschichte so erzählen: Entweder haben sie keine Zuhörer oder sie können nicht in Worte fassen, was sie erlebt haben. Oder die Stimme versagt ihnen, wo es um die vielen Verletzungen und Brüche in ihrem Leben geht. Und trotzdem steckt tief in ihnen eine leise Sehnsucht, wenigstens ein Mensch möchte sich für sie interessieren. Nur einer solle kommen und fragen: “Und was war wichtig in deinem Leben? Wie hast du all die Schwierigkeiten bloß gemeistert?”
Das ist doch herrlich formuliert.
Laut Elisabeth Langerfeld gibt es bei der Herrnhuter Brüdergemeinde den Brauch, “die eigene Lebensgeschichte weiterzugeben und sie für spätere Generationen zu bewahren. Es ist dort üblich, dass bei einem Begräbnis der selbstverfasste Lebenslauf des Verstorbenen verlesen wird. Noch einmal kommen deren Worte zu Gehör. Wie ein Vermächtnis ist der Lebenslauf - nicht nur für die Angehörigen, sondern für die ganze Gemeinde.”
Wer hätte das gedacht, Erinnerungskultur in ihrer Reinform. Aber so was geht vielleicht auch nur in einer festen und intakten Gemeinschaft. Ich wünsche mir bestimmt keine religiösere Gesellschaft, damit die Menschen wieder ihre Lebenserinnerungen bewahren und weitergeben - aber dieses “Wort am Sonntag” zeigt, wie wichtig Erinnern ist.

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