Ey, haste mal nen Euro!

Damit meine ich nicht neue Kollegen am Markt, die mit Dumpingpreisen Biografien anbieten - sondern: Punk. Das sind natürlich heuzutage friedliche Schnorrer mit großen Hunden und ebensolchem Bierdurst. Aber vor 30 Jahren bildete der Punk eine kleine Revolution, musikalisch wie gesellschaftlich. Und wie alle solche Strömungen und Ereignisse besitzt damit Punk eine gewisse Relevanz für biografisches Erinnern. Ich persönlich hatte damals, 1977, einen ausgezeichneten Nachhilfelehrer in Latein, der mich von einer “5″ wegbrachte (hab dann sogar Latein als Leistungskurs genommen…). “Hatschi” hieß er, war Medizinstudent und ein großer Musikliebhaber. Zu den Stunden brachte er immer die allerneuesten Scheiben mit, die ich mir aufnehmen konnte. Eines Tages brachte er eine Band namens “Sex Pistols”. Mann, das ging ab, völlig neuer Sound. Kurz darauf war ich dann in England und bekam noch mehr von diesem Punkfeeling mit. Hat mich aber nie gereizt, Schnorren, Saufen, der Gammellook und die erklärte Perspektivlosigkeit waren nicht meins. Und die Konzerte waren mir letztlich zu gewalttätig.
Karl Nagel, immer noch einer der Aktiven der Punkszene, hat nun begonnen, auf seiner Homepage Bilder aus der Zeit zu sammeln, “als die Welt noch in Ordnung war“.
Merke: Auch Punk hat eine Biografie.

Ein Kommentar zu “Ey, haste mal nen Euro!”

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    Januar 25th, 2007 12:21
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    […] Wie passt denn das zusammen? Biografien sind Lebensgeschichten, und nichts ist bekanntermaßen spannender und vielfältiger als das Leben selbst (na gut, vielleicht noch World of Warcraft). Dafür exemplarisch war der gestrige Tag. Erst schrieb mir Karl Nagel, der “Meister des Chaos” und Scheffe der APPD (”Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands”), über den ich kürzlich hier berichtet habe. Karl Nagel teilte mir mit, dass er grad an seiner Biografie arbeitet, online hier zu lesen. Danach telefonierte ich mit einer Dame, die die Erinnerungen ihrer Mutter festhalten will. Die Gute wird demnächst 99 Jahre alt. Das ist doch toll. Zumal ich Marion Dönhoffs Autobiografie zu lesen angefangen habe, sie war der gleiche Jahrgang. Ich hätte nicht gedacht, dass wir drei etwas gemeinsam haben: Trakehner. Mit Pferden hab ich´s ja nicht so, seit mich mal solch ein Tier als kleiner Junge ins Bein biss. Aber Dönhoff und meine Gesprächspartnerin teilten die Zuneigung zu Trakehnern. Und was war mit meinem Opa? Er war seinerzeit in Ostpreußen auf Trakehnen in der Remonteschule (Reitschule) beschäftigt… Das genau ist das Faszinierende an meinem Beruf: immer wieder neue Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es zu erzählen gilt - und die immer in einem größeren Kontext steht. […]

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