Die Zukunft des biografischen Schreibens

Habe eine interessante Prognose in der San Francisco Chronicle gelesen. Zwar ist der Beruf des Biografen in den USA schon länger durchprofessionalisiert, aber auch jenseits des Atlantiks spricht man von einer “großen Marketingaufgabe, die darin liegt, den potenziellen Kunden bewusst zu machen, dass biografische Dienstleistungen vorhanden sind”. Darüber klagt auch Jürgen Möllers, der sein Handwerk bei Katrin R. lernte und nun als Personal Historian in San Francisco arbeitet. Das “Verkaufen” sei nicht einfach, denn Privatbiografien seien noch weiten Teilen der Öffentlichkeit unbekannt. Letztlich aber ist es eine reine Frage der Zeit, besser gesagt, der kritischen Masse. Wenn erst einmal genügend Menschen ihre persönliche Autobiografie besitzen, wird die Dienstleistung “Biografie” zur Selbstverständlichkeit. Zumal es Millionen US-Bürger gebe, denen die Weitergabe ihrer persönlichen und Familiengeschichte ein Bedürfnis sei. Wobei es weniger die 70- bis 80-Jährigen seien, die eine Autobiografie erstellen wollen, denn diese Generation sei zu “bescheiden” und halte sich für zu unwichtig. Aber ihre Kinder, also die 68er-Generation, sei mittlerweile stark interessiert an den Erfahrungen ihrer Eltern und setze sich dafür ein, dass Vater und Mutter endlich ihre Autobiografie schreiben. Und wenn dann mal die “68er” selbst 70 Jahre alt werden, dann werden sie ihre Lebensgeschichte festhalten wollen: “They will want to tell their story all over the place.” Na bitte, die Arbeit wird uns nicht ausgehen…

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