Studiengang Biografie?

“Analysen und Reflexionen zur semantischen Komplexität sprachlicher Prozesse der Selbst- und Fremdverortung in biographisch-narrativen Interviews” -  Wen hier der Graus vor universitätsdeutscher Fachsprache übermannt, den kann ich nur allzu gut  verstehen.  Aber dieses Wortgetöse hat einen Hintergrund. “Biografisches Schreiben” wird zum Studiengang, und zwar an der  Berliner Alice Salomon Fachhochschule.  Biografiearbeit hat einen großen Nutzen für psychosoziale Berufsgruppen, denn “Das kreative und biografische Schreiben ist in den USA seit langem Teil sozialpädagogischer Arbeit, aber auch Teil professioneller Gesundheitsförderung. Es ist ein Arbeitsfeld, das auch bei uns in Gesundheits- und psychosozialen Berufen zunehmend eine Rolle spielt. Zugleich ist es eine Methode, die Menschen immer schon im Rahmen von Tagebuchaufzeichnungen, in Briefen und insbesondere im schriftlichen oder auch erzählenden Festhalten von Erinnerungen angewandt haben, um der Geschichte ihres Lebens »auf die Spur zu kommen«. Viele Menschen beginnen gerade in Krisensituationen, Erinnerungen aufzuschreiben, häufig verbunden mit der Hoffnung, diese Erinnerungen und damit sich selbst in der Kontinuität des eigenen Lebens besser zu verstehen. Andere arbeiten an ihrer Biografie im Rahmen von Seniorengruppen, Zeitzeugenbörsen oder Geschichtswerkstätten. Die amerikanische Creative-Writing-Forschung hat längst nachgewiesen, dass diese Ansätze gesundheitsförderlich sind.”

Damit wäre wieder einmal bewiesen: vom Großen Bruder lernen, heißt Schreiben lernen. Und: Biografie macht gesund. Hinzu kommt, eine Professionalisierung ist immer erstrebenswert. Wer seinen Beruf als Biograf ernst nimmt, kann dies nur unterstützen.

Kommentar abgeben:

Sie müssen angemeldet sein um Kommentare abgeben zu können.