Archiv für Februar, 2008

Gefälschte Autobiographie

Freitag, 29. Februar 2008

Misha Defonseca hat einen Bestseller (in Belgien und Frankreich) geschrieben, der momentan verfilmt wird. Als Achtjährige sei sie von Belgien nach Polen gewandert, auf der Suche nach ihren von den Nazis verschleppten Eltern, dabei zeitweise von einem Wolfsrudel adoptiert worden, und durch vierjähriges Verstecken in den Wälder sei sie so dem Holocaust entkommen. Alles erfunden, wie sie nun zugibt. Sie beruft sich darauf, dass ihre Eltern tatsächlich verschleppt wurden - sie gehörten dem belgischen Widerstand an - und sie als kleines Mädchen zu Verwandten gebracht wurde. Doch in ihrem Kopf habe sie damals Fantasie und Wirklichkeit vermischt und könne sie jetzt noch kaum auseinanderhalten. Als Biograf weiß ich, wie sehr die Erinnerung trügen kann. Dass man sich aber für eine Jüdin hält, obwohl man keine ist nehme ich nur Lea Rosh ab, und glaubt, man sei von Wölfen adoptiert worden, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich denke, die Frau ist sehr geschäftstüchtig, wie auch das hier beweist.

Biographiepreis 2009

Dienstag, 26. Februar 2008

Nachdem es als Mitglied des Biogaphiezentrums vorab nicht möglich war, nähere Informationen über das Procedere des künftigen Biographiepreises zu erhalten, hat ein Klick auf die Website nun Näheres offenbart. Sowohl Biografen wie Kunden mögen mit Interesse zur Kenntnis nehmen, dass das Biozen kostenlose Biografien anbietet. Drei Stück an der Zahl, man möge einfach eine diesbezügliche “Ideenskizze” einreichen. Eine Biografie für 15.000 mit rund 150 Seiten, eine für 10.000 mit 100 Seiten und einmal 50 Seiten für 5000 Euronen. Stolze Preise. Wer verschenkt schon so viel Geld?
Meine Vermutung hat sich bestätigt, diese Summe soll von jenen aufgebracht werden, die sich von Andreas Mäckler und von ihm diesbezüglich ausgewählten Mitgliedern des Biographiezentrums zum “zertifizierten Biographen” ausbilden lassen wollen. Denn diese zertifizierte “Ausbildung” kostet pro Person knapp 5000 Euro. Und - natürlich - müssen die Aspiranten ja auch jeweils eine Autobiographie erstellen . . .
Der Nutzen, den die zahlenden Mitglieder des Biographiezentrums davon haben sollen, ist mir wurscht erschließt sich mir nicht. Als imaginärer Kunde wäre ich in jedem Falle sehr irritiert über die juristischen Fallstricke, die mir vor dem Einreichen meiner “Ideenskizze” nahegelegt werden. Um hier mal einen kleinen Auszug zu zitieren:

“Der Teilnehmer räumt dem Biographiezentrum folgende, umfassende, einfache, räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte Nutzungsrechte an der Ideenskizze und an der darauf beruhenden, von einem Nachwuchsbiographen erstellten Biographie ein: das Printmediarecht inklusive dem Recht zur Erstveröffentlichung, das Recht zur Bearbeitung, Umgestaltung und Übersetzung , das Recht für Werbezwecke , das Recht der elektronischen/digitalen Verwertung und der Datenbanknutzung sowie das Recht, die vorgenannten Nutzungsrechte auch auf Dritte übertragen zu können.”

Alles klar. Oder?

“Das Leben als Ertrag des Lebens”

Samstag, 23. Februar 2008

“Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntnis ausrecken, sich selber noch so objektiv vorkommen: zuletzt trägt er doch nichts davon als seine Biographie.” Friedrich Nietzsche


Omchen schwächelt

Samstag, 16. Februar 2008

Es zeugt für mich vom unglaublich unterschätzten Humor der Schwaben, wenn die Tochter den Arzt zur bald 100-Jährigen ruft, um ihr danach zu sagen: “Aber Oma, jetzt hem mer doch scho des Essen bestellt.”


Omchen grämt sich

Freitag, 01. Februar 2008

Gestern mit der Tochter der bald 100-Jährigen telefoniert. Ich bin ja grad am Transkribieren und überrascht, wie gut Omchens Gedächtnis ist (und ihr Geschmack: “Ach, der hübsche Mann ist wieder da”, hat sie mich beim letzten Besuch begrüßt. Wo sie Recht hat….). Aber betrübt ist sie darüber und bringt es auch öfters zum Ausdruck, dass man ihre Geschichte nicht schon früher aufgeschrieben hat, da hätte sie noch mehr gewusst. Die Enkelin hat mir eine CD mit Dokumenten und Fotos gebrannt. Bin mal gespannt.