Archiv für Oktober, 2007

Eines Tages

Montag, 08. Oktober 2007

Eigentlich eine löbliche Sache: Einestages nennt sich das neue Zeitgeschichteportal von Bild am Montag Spiegel. Ziel ist der Aufbau eines “kollektiven Gedächtnisses” - unter Beteiligung der Leser, die ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen beitragen können. Als Zeitzeugen müssen sie dabei nicht unbedingt der Kriegsgeneration angehören, auch die Erinnerung an den Tsunami 2004 oder die Fußball-WM gelten als interessant. Die Idee eines Internetportals mit aktiven Zeitzeugen ist zwar nicht neu, aber bei der Reichweite des Spiegels kann man mal gespannt sein, wie sich das Portal durchsetzen wird. Hoffentlich wird es nicht so ein Witzgrab wie der gruslige “Spam”, mit dem Spiegel den Ausflug ins Satireressort versuchte.

Walter Kempowski, der deutsche Chronist

Freitag, 05. Oktober 2007

Erst jetzt, nach der Meldung von Walter Kempowskis Tod, wird mir klar, wie wichtig er für das Thema “Autobiografie” war. Ob der autobiografisch geprägte Roman “Tadellöser & Wolff”, dessen Verfilmung ein Highlight im TV war, sein “Echolot” oder seine Sammlung unveröffentlichter Biografien, das “Kempowski Archiv für europäische Tagebücher” - er war ein Vorreiter und Kämpfer für die Erinnerungskultur. Sein Tadellöser & Wolff lehrte mich, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu kennen und zu verstehen - und dass deren Darstellung auch unterhaltsam und spannend sein kann.

Autobiografie als Rache . . .

Donnerstag, 04. Oktober 2007

. . . so urteilt die TAZ über Joschka Fischers Autobiografie “Die rot-grünen Jahre. Deutsche Außenpolitik - vom Kosovo bis zum 11. September” (Kiepenheuer & Witsch) in der er seine Sicht der Dinge darstellt. Und die unterscheidet ihn natürlich fundamental von den weltfremden “Fundis” in seiner Partei: “Ströbele! Immer wieder Ströbele!” Hach ja, da sieht man doch das vom Ernst der Weltlage zerknautschte Gesicht des Joschka F. vor sich.

Tomorrow belongs to me

Mittwoch, 03. Oktober 2007

Kennt jemand das Lied? Absolute Gänsehaut garantiert. Es ist das Schlusslied aus dem Film (und Musical) “Cabaret” mit Liza Minelli. Handlungsort: ein bayrischer Biergarten. Ein junger, blonder Knabe in NS-Look steht auf und fängt zu singen an. Von der neuen Zeit, die da käme. Allmählich fallen immer mehr der Anwesenden in den Chor mit ein. Bis auf einige wenige. Ich halte es für ein geniales Lied, das einen nicht mehr loslässt, und dessen Verführungskraft durchaus plausibel so Manchen in den Bann einer bösen Sache ziehen könnte. Es ist übrigens kein “echtes” Nazilied. Die Komponisten John Kander und Fred Ebb haben es aber perfekt nachempfunden: So klingt´s.
Das Gänsehautfeeling ist selbst in einer ganz anderen Textfassung noch da. Mein Freund Claus hat es für einen Kurzfilm benutzt, allerdings singen darin alle “Die grobe und fette Leberwurst, die küsst das Bauernbrot, Umschmogen von mittelscharfem Senf.”

Spiegel Special “Biografien & Co.” erschienen

Dienstag, 02. Oktober 2007

Ergänzend zu Ronalds Ankündigung vom 26. September kann man sagen: interessantes Heft! Im Startartikel “Das Dilemma der Biografen” wird unter dem Abschnitt “Jedermann-Autobiografien” die wachsende Privatbiografien-Szene kurz umrissen. Als professionelle Anbieter namentlich genannt werden einzig Rohnstock Biografien und das Biographiezentrum.