Archiv für Oktober, 2007

“Wo kommst du eigentlich her?”

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Neulich hatte ich ein nettes Telefonat mit einer Interessentin, die die Lebensgeschichte ihrer Großmutter aufschreiben lassen will. Interessant fand ich, wie sie auf diese Idee gekommen ist. Ihr Mann hat sie wohl neulich gefragt, wo denn ihre Familie eigentlich herkommt - und da erst wurde ihr bewusst, wie wenig man doch von der Vergangenheit weiß. Nur die Erinnerungen der Großmutter bilden (noch) die Verbindung zum Leben der Vorfahren.

Tschibo versus Thyssen

Dienstag, 23. Oktober 2007

Jaja, das Schreiben ist ein weites Feld. Während Tschibo derzeit industrielles Ghostwriting anbietet, gibt es natürlich auch noch ab und an die Knallergeschichten, die man als Biograf ausbuddelt.

Suche nach Familienangehörigen

Freitag, 19. Oktober 2007

Kleiner TV-Tipp: Das ARD versucht sich an einer Art Themenabend. Nach der 20.15 Uhr-Schmonzette “Suchkind 312″ läuft um 21.45 Uhr die Reportage “Wo ist meine Familie? - Die Vermissten des Zweiten Weltkrieges”.

Geständnis auf dem Sterbebett

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Manche Menschen schweigen ihr Leben lang und erst auf dem Totenbett kontrontieren sie ihre Nächsten mit der Vergangenheit. So geht es auch einem Kanadier, der sich jetzt Hilfe suchend an ein Forum wandte. Er schrieb sinngemäß: Mein Großvater starb kürzlich an Krebs. In seinen letzten Lebenstagen schockierte er unsere Familie mit einem Geständnis: Er sei in der SS gewesen und habe den “Endkampf” in Berlin in letzter Minute verlassen können. Der Verstorbene war damals erst 19, er sei aber nach eigenen Angaben öfters im Führerbunker gewesen und habe dessen Hauptmieter getroffen/gesehen.
Dem Enkel ist auch nie die Tätowierung seines Großvaters aufgefallen (sie hätte ihm auch nichts gesagt). Dieser trug immer langärmlige Hemden um sein Geheimnis zu wahren. Warum auch immer der Mann sich sein ganzes Leben lang weigerte, von seiner Vergangenheit zu schweigen - ich glaube nicht, dass er damit glücklich war. Auch seine Angehörigen wären wohl froh, hätte er zu Lebzeiten ausführlich und in Ruhe seine Erinnerungen weitergegeben. Ich konnte dem Enkel wenigstens den Tipp mit der WAST geben, dort dürfte er einige Informationen über den formellen militärischen Werdegang seines Großvaters finden.

Gemalte Autobiografie

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Dieses Bild meines Onkels hängt schon lange in meinem Büro. Aus der Kriegsgefangenschaft kam er krank zurück, so richtig gesund ist er nie mehr geworden. Es ist mittlerweile über 20 Jahre her, dass er seinen 60. Geburtstag feierte, worüber er sehr froh war. Sein Leben hat er nicht aufgeschrieben. Nur gemalt.
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Wikipedia noch vertrauenswürdig?

Dienstag, 16. Oktober 2007

Lange war das Biografieblog als Weblink zum Thema “Biografie” in der Wikipedia aufgeführt. Nun hat es einer der “Wikipedianer” gelöcht. Wikipedia mag keine Blogs mehr, an dieser Auffassung gib es aber reichlich Kritik. Besonders Robert Basic hat die Kritik an Wikipedias Marschrichtung auf den Punkt gebracht. Ich selber habe mir den löschenden “Wikipedianer” angeschaut und ihn gefragt, was das soll. Phänomenal, der Mann verwaltet Dutzende unterschiedlichster Artikel und hat ein großes Problem mit der deutschen Rechtschreibung. Meine persönliche Schlussfolgerung: Bei Wikipedia geht es nicht transparent zu. Das war wohl schon immer so, aber obwohl es wichtig ist, dass wenigstens irgendjemand ein kritisches Äuglein auf die Beiträge hat - müssen es denn immer solche Blockwarte sein?
Mit dieser Meinung bin ich nicht allein: So sieht die interne Diskussion aus…

Heiß auf Autobiografie

Freitag, 12. Oktober 2007

Ein Interview mit Frank Goosen, der darin nicht nur einiges zur Generation der Anfang/Mitte der 60er-Jahre Geborenen sagt, sondern auch die schönen Sätze fallen lässt: “Hier fliegen so viele Geschichten durch die Luft, die muss man mal einfangen. Die Leute sind jedenfalls heiß drauf, sich mit sich selber zu befassen.”

“My name is Rich Cohen, and I wear a Hitler mustache”

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Biografie eines Schnurrbartes, leider nur im englischen Original.

Unter Eva Hermann war alles besser

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Obigen Titel habe ich neulich in einem Forum als Signatur gefunden. Und fand das sehr lustig, zumal es die einzige Art und Weise ist, mit Evas Gebrabbel adäquat umzugehen. Ganz im Gegensatz zu Johannes B. Kerner, der nun für seine “Talkshow”, bei der er Eva Hermann rausschmiss, verbale Prügel von Henryk Broder einstecken musste. Broder nennt die Veranstaltung ein “Tribunal der Selbstgerechten”, bei der es so fair zugegangen sei, “als würde man einen Nichtraucher und Vegetarier zu einem späten Verbündeten von Adolf Hitler erklären.” Genau. Wer jetzt noch einen Führerschein besitzt, der hebe die rechte Hand.

Nachtrag: Auch die “Welt” kann sich mit Kerners Komödiantenstadel nicht so richtig anfreunden.

Die HIAG

Dienstag, 09. Oktober 2007

Einen informativen Beitrag zur HIAG, der “Hilfsgemeinschaften auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS”, findet sich hier in der “jungen Welt”. Immerhin mindestens 250.000 ehemalige Angehörige der Waffen-SS lebten nach 1945 in Deutschland, inzwischen sind es naturgemäß weniger geworden (der einzige Neuzugang war wohl G. Grass. . . ). Auch die HIAG hat sich 1992 aufgelöst. Ihre Nachfolgeorganisationen sind oftmals dubioser rechtsradikaler Natur, was ich (sowieso) betrüblich finde. Denn es gibt eigentlich gar nicht soviel Literatur und biografisches Material, wie man angesichts der History-Knoppers meinen könnte. Interessanterweise findet sich diesbezüglich viel mehr in englischsprachigen Foren, die es überdies schaffen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ohne sich mit verbaler Empörung schmücken zu müssen - und die jeglichen Nazi-Apologeten keine Chance geben. Ich glaube, das ist es, was in der bundesdeutschen Diskussion einfach fehlt. Entweder man schreibt über die NS-Zeit und fühlt sich bemüssigt, in jedem Absatz ein moralisches “Pfui” einbauen zu müssen (natürlich war es Pfui, aber man muss den Leser auch nicht für blöd halten) oder man findet Texte, die im trüben Braunen fischen. Zwischen diesen beiden Polen wird wenig geduldet und gewagt.