Archiv für September, 2007

Eva, Adolf und die Sprachwarte

Samstag, 29. September 2007

Auch aus der Geschichte des Dritten Reiches wird jedenfalls nach und nach ein quasi-religiöses System mit seinen eigenen Tabus”, schreibt die Süddeutsche in ihrer Besprechung zweier neuer Romane  von Norman Mailer und  Eric-Emmanuel Schmitt über Adolf Hitler. Während bei Mailer Hitler eher ein “Angestelltes des Satans” ist, steht für Schmitt eher Adolf H. im Vordergrund, der nach einer Psychotherapie bei Freud sich eines Lebens als surrealistischer Maler erfreut. Um aber nochmal auf den Ausgangssatz dieses Beitrags zurückzukommen, heute nervte mich ein Artikel in der Zeitung, dass nämlich die unsägliche Eva Hermann sich erneut eines Fauxpas schuldig gemacht habe. Ich halte ihre Thesen und ihre Persönlichkeit ja für einigermaßen daneben, aber wenn dann ihre Verteidigung - eine zum Teil gleichgeschaltete Presse habe sie  vorsätzlich liquidiert - als weiterer Anklagepunkt gegen sie vorgebracht wird, dann weiß ich auch nicht mehr. Sie habe damit wieder “lingua Tertii Imperii” verwandt, also sich des Nazivokabulars bedient. Kann ja sein, nur warum regen sich Journalisten über die Wörter “Gleichschaltung” und “Liquidieren” auf? “Volkswagen” ist ein schließlich auch “unabdingbarer” Bestand auf unseren Autobahnen. Und wenn wieder einmal der Schornsteinfeger an der Haustür klingt, dann werde ich ihm “fanatisch” entgegenschleudern, dass sein Berufsstand eine Ausgeburt des Dritten Reiches ist und ich ihn deswegen nicht hereinlassen will.  Aber ob mein “unerschütterlicher Glaube”, dass in einer modernen Heizung zu wenig Russ für das Ausfegen des Kamins anfällt, ihn irgendwie beeindruckt,  kann ich mir auch nicht vorstellen.

Spiegel Spezial

Mittwoch, 26. September 2007

Gibt wohl ein neues “Spiegel Spezial“, Thema “Biografien & Co.” Laut Inhaltsangabe auch ein Kapitel über den “neuen Markt der Jedermann-Memoiren”. Mal schauen, was sie so schreiben, die Schlauen vom Spiegel.

Terrorjahre von der Seele geschrieben

Mittwoch, 26. September 2007

Magdalene Kopp war die Geliebte des Terroristen Carlos. “Terrorjahre” ist der Titel ihrer Autobiografie, die Biografin/Mitautorin ist eine Hanne Reinhardt, die ansonsten als “spirituelle Lebensberaterin” arbeitet. Magdalene Kopp wohnt in Neu-Ulm und hat wohl eine lange Therapie hinter sich und, so die Stuttgarter Zeitung, “…lernte, durch das Aufschreiben der Vergangenheit Ordnung in ihr Denken und Fühlen zu bringen.” Zumal es für sie nicht funktioniert habe, “die Vergangenheit in eine Schublade zu legen und niemanden ranzulassen.” Wie der Autor der StuZ anmerkt, ist Magdalene Kopp “nicht die Erste, die ein Buch zur Heilung seelischer Schmerzen schreibt.” Wohl war, nur gilt auch hier, dass ein gewisser Anteil an Prominenz ausschlaggebend für die Veröffentlichung in einem Verlag sind. Hin und wieder erreichen mich Anrufe - “ich leide an einer psychischen Erkrankung, habe leider kein Geld, können Sie ein Buch daraus machen?” - denen ich bedauerlicherweise nicht helfen kann. Vielleicht sollte ich ne spirituelle Praxis aufmachen. “Reiki-Ron” in der Villa Seelenkummer. Und wenn keine menschlichen Kunden kommen, werd ich Tierbiografien schreiben. “Volle Backe - aus dem Leben eines Hamsters” . . .

Unternehmer, Jahrgang 1928, ledig

Dienstag, 25. September 2007

In der Regel schaffen es Biografien von in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Menschen nicht in die Verlagsprogramme. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. So erschien jüngst die von Anke Gebert verfasste Biografie des hessischen Kältetechnik-Unternehmers Edgar Kirschniok im Gmeiner-Verlag. (Anke Gebert: Eine Karriere in Deutschland – Edgar Kirschniok, Unternehmer, Jahrgang 1928, ledig)
Edgar Kirschnioks Leben ist eine beispielhafte Geschichte für eine Karriere in der so genannten deutschen Wirtschaftswunderzeit. Als sechzehnjähriger Junge kam er aus dem Krieg zurück und begann schon ein Jahr später im zerstörten Berlin seine ersten originellen Geschäftsideen umzusetzen.
Ein Buch über einen homosexuellen Mann, der ein noch heute florierendes Unternehmen aufbaute, dessen Arbeit sich durch Risikofreudigkeit, Mut und respektvollen Umgang mit seinen Partnern und Mitarbeitern auszeichnet.

Die Autorin Anke Gebert lebt als freie Autorin von Romanen und Sachbüchern in Hamburg. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Zu ihren bekanntesten Werken gehören »Im Schatten der Mauer«, »Besuchreise«, »Frauenräume« und »Das Treiben«.
Anke Gebert ist Mitglied der Deutschen biografischen Gesellschaft.

Das Biographiezentrum auf der Frankfurter Buchmesse

Dienstag, 25. September 2007

Guten Tag in die Biographenrunde,

wenn Sie nach Frankfurt zur Buchmesse kommen, besuchen Sie uns doch vom 10. bis 14. Oktober 2007 am Stand Nr. 3.1-A116. Neben Nominierungen des Deutschen Biographiepreises 2007 zeigen wir zahlreiche Bücher der Mitglieder des Biographiezentrums, Neuerscheinungen des Verlags des Biographiezentrums, u.a. die anrührende Tierbiographie eines gezähmten Wiesels mit vielen Farbfotos (Kurt Orth: Susi oder eine Hand voll Glück - über das Leben eines außergewöhnlichen Lebensgefährten), sowie die ersten zwei Bände der rund 1200-seitigen Autobiographie einer jungen Frau, die 1993 durch Vergewaltigung mit AIDS infiziert wurde und beschreibt, wie die tödliche Krankheit zum Motor einer aussergewöhnlichen geistigen Entwicklung wurde (Jule Sandgi: AIDS - (M)eine Schicksalsaufgabe).

Auch ausserhalb der Buchmesse lohnt sich ein Besuch auf die Homepage des Biographiezentrums (www.biographiezentrum.de) mit zahlreichen Aktualisierungen, neuen Mitgliedern und einem neuen Ehrenkodex für Biographen.

Stoppelhopser und Itaker

Donnerstag, 20. September 2007

Jede soziale Gruppe entwickelt ihren eigenen Slang. Wer mit ehemaligen Kriegsteilnehmern arbeitet, freut sich vielleicht über dieses kleine Glossar. Da finden sich dann auch Stalintorte und Fliegerbier. Nebenbei, ein Stoppelhopser ist das gleiche wie ein Fußlappenindianer - wobei mir auch schon die Bezeichnung “Brotbeutel” zugetragen wurde. Und “Itaker”, dieses herabsetzende Wort, stammt anscheinend von ITAlienischer KAmerad.

Hitler und die RAF

Mittwoch, 19. September 2007

… eines von diesen Themen geht immer. Im Moment ist es ja der “deutsche Herbst” von 1977, der die mediale Aufmerksamkeit genießt. Damals war ich 15, ein paar Jahre älter war ein Polizist aus Schleyers Leibwache, der bei der Entführung erschossen wurde. Ich kannte seine Schwester, sie wohnten im Nachbarsdorf. Die 70er-Jahre waren eine eigenartige Zeit. Terrorismus, Ölkrise und die Ausläufer von Flowerpower - um nur einige Aspekte zu nennen. Ich denke, dass auch diese Epoche mittlerweile ihre (historische) Relevanz für Autobiografien hat, denn sie hatte ihren ganz spezifischen “Zeitgeist”, der im Nachhinein verwundert und somit der Aufarbeitung wert ist. Ein interessanter Beitrag zur RAF, über die Willi Winkler ein Buch geschrieben hat, findet sich hier.

Filmbiografien für Jedermann?

Freitag, 14. September 2007

Die Softwarefirma Magix hat ein neues Programm: “Mein Leben & meine Lieben” soll Otto Normalanwender in die Lage versetzen, Bild, Film und Ton in eine multimediale Filmbiografie zu verwandeln. War ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es ein kommerzielles Produkt gibt, das den Anbietern von Filmbiografien das Wasser abgräbt. Oder freundlicher ausgedrückt: Visuelle Erinnerungen massentauglich macht. Auch wenn nicht jeder mit einem Programm umgehen kann oder will. Abgesehen davon sehe ich ein generelles Problem bei Filmen/Multimedia: das Speichermedium. Klar, der Kunde kriegt heutzutage eine DVD - aber wie lange hält sie und wie lange wird es noch Abspielgeräte dafür geben? Generell bin ich sehr froh, mich für den Buchmarkt entschieden zu haben. Nicht nur, weil Papier geduldig ist, sondern auch weil es nie eine Software geben wird, die mir die Kreativität des Schreibens abnimmt. Geschweige denn, die damit verbundenen Mühen. Schade eigentlich…

Bundesarchiv mit Bildern

Donnerstag, 13. September 2007

Und es gibt ja nicht nur den Fall des Zuviel an Bildern, wie gestern geschrieben, manchmal hat man auch gar keine. Da trifft es sich ganz gut, dass das Bundesarchiv in Koblenz nun auch eine Bilddatenbank im Angebot hat. Momentan sind 60.000 Aufnahmen im Sortiment, weitere 292.000 folgen sukzessive. Herrlich.

Fotobücher

Mittwoch, 12. September 2007

Es ist noch nicht so lange her, dass es einen Markt für biografische Fotobücher zu geben schien. Im Gegensatz zum klassischen Fotoalbum bietet ein Fotobuch die Möglichkeit zur Gestaltung der Seiten - und Platz für Text. Es ist schöner anzuschauen und durch sein Buchlayout einfach hochwertig. Und billig. Der Versuch, es als Biograf in sein Portfolio aufzunehmen, mit deutlichem preislichem Abstand zum klasischen Erinnerungsbuch, schlug aber fehl, als die Preise drastisch fielen. Inzwischen kann jeder mit ein bisschen Geschick - oder auch ganz ohne - sich billigst ein solches Fotobuch erstellen oder es im Medienmarkt seines Vertrauens für wenige Euro machen lassen. Ich will dieser Möglichkeit, sich als Biograf seine Brötchen zu verdienen, an dieser Stelle keine Träne nachweinen (mir war von Anfang an klar, dass die simple Bedienung eines kostenlosen Programms zur Erstellung eines Buches keinen immer noch relativ hohen Preis rechtfertigt). Mir kam bloß eben in den Sinn, dass ich seit zwei Jahren einen ganzen Koffer voller alter und wertvoller Dias unterm Tisch stehen habe, den ich schon die ganze Zeit zu privaten Zwecken durcharbeiten will. Um jemandem aus der Familie eine Freude mit einem Fotobuch zu machen. Aber wenn es anderen damit genauso geht, hmm…