Archiv für August, 2007

Frauen haben andere Biografien

Donnerstag, 30. August 2007

Da ich gerade selber an einer Geschichte über die Frauen einer Familie arbeite, werde ich mir “Stille Post” von Christina von Braun in den Kurzurlaub mitnehmen. Dabei geht es eben nicht um ihren berühmten Onkel Werner von Braun, sondern um die Spurensuche nach den Frauen in ihrer Familie.

Themenabend “Autobiografie”

Freitag, 24. August 2007

Arte widmet sich heute ab 22.20 Uhr dem Thema “Autobiografie”. “Zwischen Selbstdeutung und Selbststilisierung” liegt das Spannungsfeld, das dabei beleuchtet wird.<

Von guter Sprache

Donnerstag, 23. August 2007

Können Tierärzte bellen? Auf diese Idee käme niemand. Hingegen wird immer wieder gern geglaubt, Germanisten können schreiben. Nun, ich will ja niemand auf die Füße treten - aber der Beweis dafür ist individuell zu erbringen. Heute habe ich Kollegen mit germanistischem Hintergrund gefunden, die folgende Leseprobe auf ihre Homepage dem geneigten Auge des kundigen Kunden darbieten: “Überhaupt wurde in der Schule nur deutsch gesprochen, obwohl viele Kinder zu Hause auch polnisch oder sogar nur polnisch sprachen. Meine Eltern sprachen beides, aber mit uns hatten sie immer mehr deutsch gesprochen, so ging es in der Schule. Aber natürlich sprach ich auch polnisch.” Und das vermutlich besser. Es ist immer eine Gratwanderung zwischen der authentischen Sprache des Erzählers und der Konstruktion eines daraus hervorgehenden Textes. Aber ein bisschen Mühe sollte man sich schon geben. Sag ich jetzt mal.

Hotel-Biografie, Teil 3

Sonntag, 19. August 2007

Die Tante aus Kanada war gar nicht betagt, wie ich irrtümlich angenommen hatte, sondern erwies sich als überaus lebhafte und fröhliche Mittsechzigerin. Wer Anfang der 60er-Jahre als schwangere junge Frau mit der Ente von Paris nach Kampala in Uganda fährt, hätte eigentlich eine eigene Biografie verdient, aber nun gut. Es ging ja um ihre Erinnerungen an die Zeit nach dem Krieg und in den 50er-Jahren. Die sie recht gut parat hatte. Auch ihre Nichte, in meinem Alter, konnte mir bei der Geschichte weiterhelfen, ebenso wie die aktuelle Hotelliergeneration. Sie leiten das Hotel in der nunmehr fünften Generation, die alle in der Biografie berücksichtigt werden sollen - vor allem die Frauen, denn meist haben sie ja die Arbeit und die Verantwortung. Neben diesen Familiengeschichten bietet das Buch aber auch die Chance, das Funktionieren eines Hotels anschaulich zu erklären. Mit diesen beiden Aspekten dokumentiert die Hotelbiografie nicht nur das “Herkommen” sondern auch ein Handbuch für die Zukunft. Wer dereinst mal dieses Hotel leiten wird, soll wissen, wie es gewesen ist - und wie man es richtig macht.

Echt tierisch

Samstag, 18. August 2007

Ich will nicht lästern. Nein, tue ich nicht. Aber ich kann einfach nicht anders: Der Verlag des Biographiezentrums will u.a zwei Bücher auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren. Einmal den ersten Band einer insgesamt 1200-seitigen Autobiografie einer HIV-Infizierten. Das ist auch gar nicht zum Lästern, wirft nur die Frage auf, ob es wirklich 1200 Seiten sein müssen. Nein, was mich mehr erschüttert hat, ist die “anrührende Tierbiographie eines gezähmten Wiesels mit vielen Farbfotos”. Sorry, liebe Kollegen, ich bin ein fieser Sack voller Ehrgeiz, der es besser machen will. Drum beende ich diesen Beitrag, muss nach nebenan, meinen Hamster interviewen…

Was für eine Geschichte

Freitag, 17. August 2007

Gestern habe ich die Interviews mit meiner bisher ältesten Erzählerin abgeschlossen. Im 96. Lebensjahr ist sie. Was das bedeutet? Kindheit im Kaiserreich und im Ersten Weltkrieg, Schule und Jugendzeit in der Weimarer Republik. Verliebt, verlobt, verheiratet und schließlich verwitwet im Dritten Reich. Alleinerziehende Mutter im Adenauer-Deutschland. Als Groß- und Urgroßmutter sorgender Ruhepol ihrer Familie. Schlussendlich vom Sohn abgeschoben in ein Altenheim, der Einsamkeit preisgegeben. Schon lange hegte sie den Wunsch, alles Erlebte einmal aufzuschreiben. Jetzt macht eine Enkelin es möglich.

Nach drei Tagen Interviews sitze ich ein bisschen fassungslos wieder an meinem Schreibtisch. Was für ein Leben! Und was für eine wunderbare Aufgabe es zu dokumentieren!

Tante aus Amerika

Dienstag, 14. August 2007

Ein halbes Jahr musste ich warten, bis es mit einer Biografie weitergeht. Denn die sprichwörtliche Tante aus Amerika macht nun ihren jährlichen Besuch bei der Verwandtschaft in Deutschland - und wird wohl einiges zu erzählen haben, trotz oder eigentlich wegen ihrer knapp 90 Jahre. Bin ja mal gespannt, wie es wird. Mäuschen spielen beim Familientreff…

Viel Rauch um Reemtsma

Montag, 13. August 2007

“Reich und berühmt” müssen sie nicht werden, die Reemtsmas. Sind sie ja schon. Und Erik Lindner, der die Biografie der Familie geschrieben hat, ist gestern mit einem Beitrag in TitelThesenTemperamente bedacht worden. Die Quintessenz: als Unternehmer haben sich die Reemtsmas “mit jedem Regime - auch den Nationalsozialisten - arrangiert”. Hmm, also auch mit den Regimes der Weimarer und der Bonner Republik? Unglaublich, Skandal! Als wichtiger Zeuge wurde in der Sendung ein Cousin von Jan-Philipp Reemtsma befragt (der nicht in der Erbfolge bedacht worden war, also leer ausging). Er sagte unter anderem: “Makaber, wenn bei Jan Philipp die gesamte Wehrmacht als Täter erscheint – und dann Philipp Reemtsma als eine Art Opfer, jemand, der Millionen und Millionen Wehrmachtsangehörige und Deutsche versorgt hat mit schlimmster NS-Propaganda.” Damit meinte er - die Sammelbilder, die damals jeder Zigarettenpackung beilagen. Nazibildchen, die damals jedes Kind sammelte. Und dann wurde auch noch ein Foto eines Reemtsma-Onkels in schwarzer SS-Uniform eingeblendet. Uiuiui. Lindner durfte das Familienarchiv benutzen, Jan-Philipp Reemtsma schweigt ansonsten zu seiner Familiengeschichte, warum auch immer. Vielleicht war ihm auch einfach klar, was der Hessische Rundfunk daraus machen würde. Für mich war der Beitrag ein Sturm im Wasserglas voll kalten Kaffees, genauso wie der Nachrichtenaufmacher vom endlich gefundenen Stasi-Schießbefehl. Hat ja noch keiner nie was davon gewusst gehabt. Aber so ist das mit der Aufmerksamkeit der Medien.
Der nächste Hype kommt bestimmt: Keith Richards will seine Autobiografie schreiben. Dabei steht sie ihm schon lange ins Gesicht geschrieben, dem ollen Rolling-Stones-Gitaristen…

Russenkinder

Mittwoch, 08. August 2007

Ein weitgehend unbekanntes - besser gesagt: verdrängtes - Thema sind die Kinder, die von Rotarmisten gezeugt wurden. In den meisten ostdeutschen Familien ein Tabu, über das man nicht sprach. Dabei handelte es sich nicht immer um die in den Massenvergewaltigungen am Ende des Krieges “entstandenen” Kinder. Es gab auch Liebe zwischen Russen und Deutschen. Nur war diese seitens der Sowjetarmee nicht erlaubt und wurde strengstens bestraft, denn sie galt als Verrat. Inzwischen sind über 60 Jahre vergangen und immer mehr dieser Kinder suchen nach ihren Vätern. Mehr dazu beim Spiegel.

Transkribieren ohne Transpirieren

Dienstag, 07. August 2007

Audiotranskription.de hat einige Neuigkeiten zu bieten. So ist ihre kostenloses Transkiptionssoftware f4 in neuer Version erschienen und bringt einige nützliche Annehmlichkeiten mit sich. Außerdem gibt es sie auch für den Mac. Interessant dürften für den einen oder anderen auch die kostenlosen Programme zur Transkription von dss-Dateien und von Videos/DVDs sein.