Archiv für Juni, 2007

Ergänzung

Samstag, 09. Juni 2007

Ich schreibe Biografien, mag aber eigentlich keine Kurse im autobiografischen Schreiben geben (mir fehlt der pädagogische Eros komplett, und ich vermisse ihn auch gar nicht). Nun habe ich eine Schriftstellerin getroffen, die zwar Kurse gibt, aber keine Biografien schreiben mag. Das ist doch perfekt. Ich kann sie an jene weiterempfehlen, die partout selbst schreiben wollen, oder denen die finanziellen Mittel fehlen. Sie wiederum kann mich an jene empfehlen, die es vielleicht doch lieber mit einem Biografen versuchen wollen.


Und wenn die Welt auch untergeht …

Dienstag, 05. Juni 2007

Gerade habe ich wieder festgestellt, was für einen großen Wert biografische Erinnerungen haben, wenn es darum geht zu verstehen, wie die Nazidiktatur bis zuletzt fast reibungslos funktionieren konnte.

Ein Auftraggeber erzählte mir vom abenteuerlichen Marsch seiner Einheit von der Ostsee nach Österreich im April 1945. Wie ihr Leutnant die Gruppe in fast schweykhafter Weise in die Sicherheit eines österreichischen Kurortes statt in den Endkampf führte, erzähle ich vielleicht ein anderes Mal. Heute geht es mir um eine kleine Episode am Rande. Am 16. April 1945 lagerte der kleine Trupp meines Erzählers unweit von Potsdam. Den aufkommenden Gedanken, sich in die nahe Heimatstadt Berlin abzusetzen, verwarf er sofort wieder. Zu groß war die Gefahr, von deutschen Soldaten wegen Fahnenflucht aufgegriffen zu werden oder in russische Kriegsgefangenschaft zu geraten. Stattdessen schrieb er den Eltern eine Karte, versah sie wie üblich mit der Aufschrift „Feldpost“ und warf sie in einen ganz normalen Briefkasten. Nur wenige Tage später kam sie bei den Adressaten im völlig zerstörten Berlin an, wo man inzwischen den Geschützdonner der anrückenden russischen Truppen hörte. Bevor er die Karte aushändigte, kassierte der Postbote von den Eltern meines Erzählers allerdings erst einmal Strafporto, denn Briefmarken hatte der Sohn gerade nicht zur Hand gehabt und für Feldpost konnte man schließlich nicht jeden x-beliebigen Briefkasten benutzen. So war das eben in Deutschland. Alles brach zusammen – aber Ordnung musste sein.

Journalisten und Recherche

Montag, 04. Juni 2007

Ich bin immer wieder sprachlos, wie Journalisten arbeiten. Ganz konkret heute beim Thema private Autobiografie. Diesem hat die Stuttgarter Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe eine Zweidrittelseite eingeräumt. Und wen bringt sie als Referenz für den “einträglichen Nischenmarkt”? Erraten: Die Franchisefabrik der Frau R. - und einen Buchgestalter aus Hamburg, der offenkundig Blut geleckt hat und nun auch das Schreiben von Autobiografien anbieten will. Warum macht sich der Autor des STuZ-Artikels nicht die Mühe des Recherchierens? Kennt er jene komische Seite namens Google nicht? Alleine schon die Eingabe der Begriffe “autobiografie stuttgart” hätte ihm einiges an Erkenntnis gebracht, von Begriffen wie biografiebüro etc. einmal ganz abgesehen. Und was ein Blog leisten kann, hat sich wohl auch noch nicht überall herumgesprochen…