Archiv für Mai, 2007

Erziehung zur Volksgesundheit

Donnerstag, 10. Mai 2007

Jaja, früher, im Krieg, hatten die Leute immer Hunger und rauchten alle. Heute haben wir keinen Krieg mehr, die Gefahren lauern anderswo. Was wird man also im Jahre 2047 in Autobiografien lesen können? Damals, als alle vom Feinstaub betroffen waren, durch Autos und Zigaretten. Oder: damals, als alle zu fett waren? Angesichts der neuen Sau, die von der Politik durchs mediale Dorf getrieben wird, warte ich nur noch, bis die Deutsche Bahn kalorienfreie Bahnsteige einführt und im Bundestag ein fraktionsübergreifender Protest anhebt. Man könne doch keine guten Gesetze machen, wenn man dauernd nur Rohkostsalat in der Kantine vorgesetzt bekommt. Schließlich lebe man doch als Abgeordneter schon immer von Diäten. Spätestens, wenn dann Schäuble sämtliche Schlachtplatten nach Kohlehydraten durchsuchen lassen will, wird sich dereinst die Frage stellen: Wo waren Sie, als die Kalorienbombe hochging?


Die wilde Sau

Dienstag, 08. Mai 2007

Was mir an meinem Beruf auch noch gefällt: man lernt ständig etwas Neues, oder kommt auf Zusammenhänge, die einem vorher nicht gegenwärtig waren. Was die “wilde Sau” mit der “schrägen Musik” zu tun hat, erfährt man hier und hier.

Wenn Biografen stiften gehen

Montag, 07. Mai 2007

Das ist jetzt der neueste Kniff, wie man sich am Markt positionieren kann: Man macht eine Stiftung auf. Stiftung klingt nach Ehrenhaftigkeit und Unentgeltlichkeit, zumindest nach Gemeinnützigkeit. Das muss doch seriös sein. Was aber, wenn eine Stiftung Autobiografien schreibt? Macht sie das umsonst, im Sinne einer Bewahrung? Aber wer schreibt schon gerne umsonst und ehrenamtlich Biografien? Sehr seltsam. Ich denke, zuvörderst sind hier zwei Motive erkennbar: Zum einen spart man sich als Stiftung das Steuerzahlen, zum anderen findet man vielleicht noch den einen oder anderen Professor, mit dem man sich als Kurator schmücken kann.

Da finde ich es fast schon ehrlich, dass nun auch die berüchtigten Zuschussverlage das Feld der Autobiografie für sich entdeckt habe, immerhin müssen sie da dem Kunden, der ja eh nicht unbedingt an einem kommerziellen Erfolg seines Buches interessiert ist, auch nicht vorflunkern, seine Autobiografie werde ein Renner. Und wenn sie das doch als Verkaufsargument benutzen, dann nur, weil sie es nicht anders kennen und können - und manche Menschen halt fest daran glauben, dass Hollywood schon wartet…

Aufschreiben und Verarbeiten

Samstag, 05. Mai 2007

Eine ganze Seite hat heute das Schwäbische Tagblatt - und damit wohl die gesamte Südwestpresse - dem Boom der Autobiografien eingeräumt. Ist natürlich prima. Schade nur, dass dem Autor nur zwei Beispiele für Biografen eingefallen sind: Frau R. aus B. und eine Soziologin aus Wangen. Diese schreibt für 30 Euro die Stunde. Und “100 Stunden sind schnell erreicht”. Hinzu kommen noch Layout und Druck. Vom ersten Gespräch bis zum fertigen Buch vergehen dabei insgesamt neun Monate. Macht 11 Stunden pro Monat, wenn ich korrekt rechne. Natürlich werden es auch bei ihr mehr Stunden sein, die sie benötigt. Aber das ist genauso, wie wenn ein Autoverkäufer sagt: “Bei mir kriegen Sie ein Auto für 500 Euro.” Ich hoffe jedenfalls, dass sie ihre Autobiografien nicht in 100 Stunden abwickelt. Denn das ist unseriös, geschmiert und bewiese wenig Respekt vor dem Leben des Erzählers. Naja, nachdem ich mich kurz geärgert habe, googelte ich nach “Wangen + Autobiografie“. Und jetzt hab ich wieder richtig gute Laune.

Biografie als Überraschung

Donnerstag, 03. Mai 2007

Momentan mache ich eine Autobiografie fertig. Die Kinder der Verfasserin wissen nichts davon. Es soll eine Überraschung werden. Da würd´ ich gerne Mäuschen spielen, wenn die Mutter ihren Töchtern ihr Leben als Buch schenkt. Kriegt man ja nicht alle Tage.