Archiv für Mai, 2007

Autobiografie und Lyrik

Donnerstag, 31. Mai 2007

Passt das zusammen? Ich meine nein, außer man bemüßigt sich einer relaxten und kontemplativen Sichtweise. Da kann es funktionieren. Natürlich spricht nichts dagegen, Gedicht(auszüge) als Motto für Kapitel zu nehmen. Meinetwegen. Warum ich diesen Beitrag aber schreibe: Ich habe in den letzten Monaten schon mehrere Anfragen bekommen, ob ich nicht ein Praktikum oder Mitarbeit böte. Tu ich derzeit nicht. Auffällig ist aber, dass die Interessenten stets darauf verweisen, Lyrik geschrieben zu haben. Ohne offenkundig - und wenig verwunderlich in meinen Augen - damit auf die schwarze Seite des Kontos zu kommen. Nun wollen sie´s also mit dem Schreiben von Autobiografien versuchen. Ich weiß nicht, wer sich zum Schreiben “berufen” fühlt, sollte nicht andere zum Ziel seiner Experimente machen. Das zeugt von wenig Respekt. Nicht der Biograf steht im Mittelpunkt, sondern der Erzähler. Will ein andrer Mensch erzählen, sollst ihn nicht mit Versen quälen…

Schaffe, schaffe, Häusle baue

Mittwoch, 30. Mai 2007

Deutschland, Deine Schwaben. Ist natürlich ein dummes Klischee, aber mit einem Fünkchen Wahrheit, zumindest bei der älteren Generation. Das Eigenheim schon lange abbezahlt, den Kindern auch schon ein Häuschen mitfinanziert, vorm Haus parkt ein frisch gewaschener und neuer Daimler, mit dem man gerne auf´s “Stückle” fährt. Inzwischen gehört auch der Flachbildfernseher dazu. Nur bei einem tut man sich schwer. Erraten: sich selbst das Buches seines Lebens zu gönnen. Erzählt wird natürlich gerne und immer wieder, wie es damals war. Doch dem Biografen sagt man dann: “Das ist ja toll, was Sie da machen, nur so teuer ausführlich brauch ich es gar nicht. Meine Tochter ist Juristin/Ärztin/Busfahrerin, die kann ja auch mein Leben aufschreiben, wenn auch leider nicht so teuer ausführlich wie Sie.”
Dies gibt es in anderen Bundesländern natürlich auch. Der Grund: Wer selber noch nie einen Text geschrieben/bearbeitet hat, kann sich nicht vorstellen, wieviel Arbeit darin steckt. Ist das gleiche mit Zeitungsverlegern, für die ihre Journalisten lediglich die Löcher zwischen den Anzeigen füllen.

Mit der Cessna ins “Reich des Bösen”

Montag, 28. Mai 2007

Vor 20 Jahren landete Matthias Rust mit seiner Cessna mitten in Moskau, in der Nähe des Roten Platzes. Was heute immerhin eine Kuriosität wäre, bildete damals einen Ausbund an Unverfrorenheit und Tollkühnheit, wenn man mir diese Worte nachsehen möge. Denn damals hatte Gorbatschows Perestroika zwar schon zwei Jährchen hinter sich und der Kalte Krieg schien zu lahmen - doch dass ein 19-jähriger Hobbypilot am “Tag der sowjetischen Grenztruppen” unbehelligt nach Moskau fliegen konnte, war einfach der Knüller. Und zeigte, wie sinnlos die ganze Abschreckung mit ihren Waffenarsenalen war. Was ja 2001 erneut bewiesen wurde, dann aber von Terroristen und nicht von einem verschrobenen Exzentriker. Gorbatschow nutzte den Flug seinerzeit, um einige seiner politischen Gegner im militärischen Apparat in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Ich war damals gerade in Uppsala/Schweden auf einem Kurs in Friedens- und Konfliktforschung. Die Geschehnisse erzählte mir ein fröhlich glucksender schwedischer Dozent. Das war ja schon fast eine Adelung - ein junger Deutscher trickst das sowjetische Militärimperium aus.
Rust soll sich inzwischen übrigens als professioneller Pokerspieler durchs Leben schlagen. Richtig Glück hat ihm sein Flug nie gebracht.

MIA

Samstag, 26. Mai 2007

MIA - Missing in Action - hieß es auf Seite der Engländer und Amerikaner, wenn ein Soldat in Kampfhandlungen verschwand und nicht mehr auftauchte. Auch nicht als Leiche. Einen typischen Fall, der die ganze Traurigkeit des Krieges dokumentiert, zeigt heute Vox um 22 Uhr. Nachzulesen gibt es die Geschichte auf Spiegel.de. Shannon Estill, frischgebackener Vater und Pilot der US-Airforce, wurde am 13. April 1945 über Sachsen abgeschossen. Sein Schicksal blieb Jahrzehnte ungeklärt. Seine Tochter konnte sich damit nicht abfinden und forscht nach seinem Verbleib. Der Kontakt mit dem deutschen Hobbyforscher Hans-Günther Ploes, der sich auf die Suche nach vermissten  Weltkriegsflugzeugen spezialisiert hat, führte schließlich dazu, dass ein US-Team 1995 die Überreste Estills bergen konnte. Ein Schicksal, das geklärt werden konnte. Viele andere warten noch darauf.

Der Mai, der Mai

Freitag, 25. Mai 2007

Fortan ist das Biografieblog auch für Liebeskummer zuständig. Da hat doch glatt jemand nach “Wie kriegt man seinen Schwarm” gegoogelt und ist auf dieser Seite gelandet. Was ist autobiografischer als Herzschmerz?

Aushänger

Mittwoch, 23. Mai 2007

Die Aushänger sind da. Früher nannte man das Korrekturfahnen, neudeutsch heißt es auch Proof. Aber meine Berliner Druckerei ist da ganz solide bei der Namensgebung. Das 90 Gramm Werkdruckpapier mit 2er Volumen fühlt sich übrigens hervorragend an.
Ich hab keine Ahnung, wo das Wort “Aushänger” herkommt. Wikipedia fiel dazu nur u.a. der Pornobalken ein.

Schulfreunde finden

Dienstag, 22. Mai 2007

Kommt natürlich für die Senioren reichlich spät, aber ich möchte es doch empfehlen: Stayfriends.de. Hier kann man seine Schulkameraden von anno dazumal finden. Wie war das nochmal in der 8. Klasse? Und was macht mein erster Schwarm? Hab mich heute angemeldet, meiner eigenen Biografie zuliebe.

Neuer Ratgeber für Biografen: Das Leben in Buchform

Montag, 21. Mai 2007

Das Veröffentlichen von Memoiren ist kein Privileg Prominenter. Zahlreiche Bundesbürger mit einem riesigen Schatz an Erinnerungen haben ihr Leben bereits zu Papier gebracht - und wissen bloß nicht, wie aus dem Manuskript ein Buch entstehen soll. Diesen Menschen will Andreas Mäckler helfen. Der promovierte Publizist und Leiter des Biographiezentrums in Fuchstal bei München verrät in “Meine Biographie als Buch gestalten”, wie man auch ohne finanzkräftigen Verlag im Rücken als Memoiren-Autor erfolgreich sein kann.In seinem Ratgeber widmet sich Mäckler zunächst dem Lektorat des Manuskripts, gibt professionelle Tipps zur Textbearbeitung und hilft bei Titelfindung und Titelschutz. Der Leser erfährt, wie man zur ISBN (International Standard Book Number) kommt und Eingang ins VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) findet. Im praktischen Teil geht’s ums Scannen von Bildern, um lesefreundliche Layouts und die Herstellung der Druckvorlage. Entsprechendes Grundwissen am PC sollte also vorhanden sein. Ist das Buch in digitaler Form vollendet, kann sich der Leser ganz dem Thema “eigener Verlag” widmen. Mäckler gibt dazu Ratschläge beispielsweise zur Gewerbeanmeldung, zur optimalen Gesellschaftsform, zu Finanzierung und Sponsoring. Im letzten Teil des 87-seitigen Handbuchs verrät der Autor, wie man sein Buch vermarktet und das Werk bei Medien, Verbänden und Institutionen bekannt macht.

Bibliographische Daten

Meine Biographie als Buch gestalten
Schritt für Schritt zur Publikation Ihrer Lebenserinnerungen, Chroniken und Festschriften
87 Seiten, Format 155 x 220 mm
Verlag des Biographiezentrums
ISBN 978-3-940210-01-2
12,80 Euro

Herausgeber:

Verlag des Biographiezentrums
Welden 18
86925 Fuchstal
Tel. 082 43 / 99 38 46
E-Mail info@biographiezentrum.de

Autorenschrittmacher - auch für Biographien

Montag, 21. Mai 2007

Kleiner Tipp für alle, die sich aus der biographischen Perspektive auch für die “Rangebiete” des Literaturbetriebs interessieren:

www.autorenschrittmacher.blog.de

Hier besonders interessant: Die Dokumentation zur Insolvenz der PoD-Dienstleisters Mein Bu.ch.

Abzocke

Freitag, 11. Mai 2007

Mit dem Wunsch, endlich die eigene Geschichte im Regal des Buchhändlers zu finden, lässt sich vortrefflich Geld verdienen. Darauf hat Ronald hier schon hingewiesen. Gerade erzählte mir eine Dame am Telefon ihre Leidensgeschichte. Sie hatte 270 Seiten selbst verfassten Text an einen der Großen in der Vanity-Verlagsbranche geschickt. Wie nicht anders zu erwarten, teilte man ihr mit, dass man ihr Buch gerne „verlegen“ würde. Leider aber müsse man einen Druckkostenzuschuss von 12.000 Euro berechnen. Die Dame zahlte. Bevor das Buch hergestellt wurde, kamen ihr Zweifel, ob der Text gut genug sei. Sie hatte noch viel unverarbeitetes Material und bat den „Verlag“, ihr einen Ghostwriter zu nennen. Kein Problem, der Verlag googelte und benannte drei Kollegen – mein Name war auch darunter. Leider entschied sich die Dame nicht für mich, sondern für den räumlich naheliegensten Anbieter, ein Unternehmen aus der wissenschaftlichen Geisterecke, hübsch als Consultingunternehmen aufgemacht samt Chef mit Doktortitel. Die Abwicklung entsprach aber nun gar nicht dem schönen Schein. Der Vertrag wurde nur mündlich geschlossen, als Fixhonorar wurden 20.000 Euro vereinbart. „Dafür mache ich Ihnen ein schönes Buch“ – Originalton Ghostwriter. Sprachs und verschwand mit den schon geschriebenen 270 Seiten sowie 10 Ordner voller nicht verarbeitetem Material. Inzwischen hat er das Manuskript abgeliefert. Umfang 300 Seiten. 30 Seiten mehr als der Ausgangstext, den er ansonsten aber wohl so gut fand, dass er ihn nicht sonderlich veränderte. Weil das ganze aber so viel Arbeit war, musste unser fleißiges Geistschreiberlein leider noch 4000 Euro mehr in Rechnung stellen.

Somit hat die Dame jetzt 36.000 Euro für ihren Traum vom eigenen Buch bezahlt. Inzwischen ist sie unsanft aufgewacht und ärgert sich, dass sie nicht einen seriösen Kollegen engagiert hat. Hätte sie mal bei der DbG geguckt, wäre ihr das auch ganz leicht gefallen.