Archiv für April, 2007

Transkribieren

Montag, 30. April 2007

Wieviel Zeit brauche ich für das Aufschreiben eines Interviews? Kann man mit Spracherkennung schneller transkribieren? Audiotranskription.de hat einige neue Beiträge und Angebote.

Schwäbisch für Biografen

Montag, 30. April 2007

Was ist ein “Soichhafa”, warum macht man “nore” und wer hat noch nie jemanden gekannt, der “am libschda a verreckts Goisle hiada däd”.  Da das Schwäbische regional sehr verschieden ist, kann man unmöglich alle Ausdrücke kennen, selbst als “ned Neigschmeckter”. Abhilfe schafft  die Homepage von Peter Mangold, der dem gerne belächelten und oft beneideten Volk der Schwaben eine umfassende Würdigung anbietet.


Nazi und RAF

Donnerstag, 26. April 2007

Harald Schmidt hat es gestern in seiner Show wieder mal auf den Punkt gebracht, als er das Publikum raten ließ: Nazi oder RAF? Nun ja, man entkommt in der letzten Zeit auch kaum den Meldungen, die sich mit Filbingers Haltung im Dritten Reich (und danach) sowie den längst vergangen geglaubten Schuldfragen des “Deutschen Herbstes” beschäftigen. War aber Oettilis Rede nur ein kalkulierter peinlicher Ausrutscher, hat die Debatte um die RAF ganz neue Aspekte ans Tageslicht gebracht. Damit meine ich nicht, wer wann auf wen geschossen hat. Und ob Christian Klar jetzt oder erst übernächstes Jahr freikommt, ist mir persönlich auch schnuppe. Aber eines steht fest: In der öffentlichen Wahrnehmung der Medien kommt die Vergangenheit nicht zu kurz. Das mag mancher beklagen, mir ist es allemal lieber als noch ein Artikel über “Second Life”.

Rüdiger Nehbergs Autobiografie

Montag, 23. April 2007

Hielt neulich einmal Rüder Nehbergs Autobiografie in Händen. Bei allem Respekt, warum hat er keinen Biografen/Ghostwriter zur Hilde genommen? Und warum hat der Verlag sich nicht getraut, Nehberg wenigstens zu lektorieren? Nehberg hat sich entschieden, sein Leben in einem flappsigen Ton wiederzugeben, der umgangssprachlich beim Bier nach dem Feierabendsport durchaus passend wäre. Oder ist das ein Survivaltraining für Liebhaber der deutschen Sprache? Mich jedenfalls hat der Sprachstil vom Kauf abgehalten. Und sooo elitär will ich mich gar nicht einschätzen - wie mir gestern wieder auf einer Lesung einer Tübinger Künstlergruppe klar wurde. Denn das andere Ende der Fahnenstange ist das öffentliche Preisgeben von Texten, die zwar stilistisch ganz nett sein mögen, aber über keinerlei Pointe und Aussage verfügen. Man sollte schon was zum Erzählen haben…

Flinsen

Freitag, 20. April 2007

Es sind nicht nur Menschen und ihr Schicksal, die durch eine Biografie vor dem Vergessen bewahrt werden können. Oder hat jemand schon mal von “Flinsen” gehört? Es soll wohl auch mit P vorne existieren und ist meiner Meinung nach mit den slawischen Blini verwandt. So wie ich Flinsen kenne, machte sie immer meine Großmutter. Und die stammt bekanntermaßen aus Ostpreußen. Der ostpreußische Dialekt ist ja leider am Aussterben, die “Marjellchen” sind mittlerweile keine Mädchen mehr, sondern selber im Oma-Alter.

Sprachverirrung

Donnerstag, 19. April 2007

Jeder Biograf, der schon einmal die Lebensgeschichte eines Mannes zu Papier gebracht hat, der den Weltkrieg als Soldat erlebte, kennt das Problem. Je tiefer man in die traumatischen Erinnerungen eindringt, je mehr verfällt der Erzähler in die damals alltägliche “Sprache des Unmenschen”. Das sagt wenig bis gar nichts über die Einstellung des Erzählers zur NS-Dikatatur und seinem damaligen Verhalten aus. Ein guter Biograf geht dann möglichst feinfühlig mit den Erinnerungen um. Er wird versuchen, die Sprach so weit wie möglich zu “entmilitarisieren”.

Von einem Verlag kann man sich das erst recht wünschen. Zumindest in der PR-Abteilung des keineswegs einer Nähe zu rechten oder militaristischen Kreisen verdächtigen Helios-Verlages scheint man sich dieser Problematik nicht bewusst zu sein. Anders ist die Ankündigung der Autobiografie eines Welkrieg II-Piloten nicht zu erklären. Da wimmelt es nur so von Luftsiegen, wird der Autor zum Alptraum der russischen Luftwaffe erklärt, der unerreichte Leistungen im Luftkampf erbrachte und eine Erfolgsserie von 206 Luftsiegen vorzuweisen hat. Liebe Leute vom Helios-Verlag: Ihr versteht sicherlich etwas vom Bücher machen. Davon, wie man sprachlich mit den Erinnerungen von deutschen Weltkriegssoldaten umgeht, aber augenscheinlich nicht. Vielleicht holt Ihr Euch in Zukunft einfach Hilfe bei einem erfahrenen Biografen.

Inselbiografie mit Sprengkraft

Mittwoch, 18. April 2007

Eine Insel kann durchaus eine bewegte Biografie hinter sich haben. So auch Helgoland. Heute, am 18. April, vor 60 Jahren sollte sie in die Luft gesprengt werden. Es war die größte nichtnukleare Sprengung der Geschichte. Knapp 6700 Tonnen Sprengstoff wurden im ehemaligen deutschen U-Boot-Bunker zur Explosion gebracht, der Rauchpilz ragte neun Kilometer in die Atmosphäre. Sein Ziel erreichte der enorme Aufwand nicht, die Insel blieb bestehen. Na gut, vielleicht wollten die Engländer, denen Helgoland als militärischer Vorposten Deutschlands ein Dorn im Auge war, ja auch nur überzählige Munition vernichten…
Die von der Insel vorher evakuierten Helgoländer setzten alles daran, wieder zurückkehren zu dürfen: Appelle an die Bundesregierung, UNO, das britische Unterhaus und den Papst. 1950 “besetzten” zwei deutsche Studenten die Insel und hissten eine Deutschlandfahne und eine der Europäischen Bewegung (mit EU war noch nix). Ihr Protest stieß auf öffentlichen Widerhall. 1951 forderte der deutsche Bundestag die Freigabe Helgolands. Am 1. März 1952 gab Großbritannien die Insel an Deutschland zurück. Fernerhin verpflichteten sich die Engländer, ihre Fußballnationalmannschaft auf das Niveau der Helgoland-Auswahl abzurüsten und nach 1966 in allen WM-Endrunden rechtzeitig auszuscheiden. Vae Victoricis.

Oettili reloaded

Montag, 16. April 2007

Die bisher gelungenste Darstellung der oettingerschen Weltsicht findet sich hier. Nebenbei: Heute las ich in der Zeitung, dass die Kriegsgeneration sich nachträglich in ihren Autobiografien stets gerne als “geheimer Widerständler” stilisieren würde. Diese Erfahrung hab ich nicht gemacht, viel eher empfinde ich es als authentisch, wenn es heißt: “Ich war jung und hab das wirklich geglaubt.” Das ist jetzt keine Rechtfertigung von Verbrechen - aber nur wer erkennt, wie er verführt und indoktriniert wurde, kann die Mechanismen der Manipulation erkennen. Und die sind letztendlich immer die gleichen. Wer das weiß, fällt nicht wieder aufs Neue rein.

Welcher Stil darf´s denn heute sein?

Samstag, 14. April 2007

Ein paar Kollegen von mir haben ein schönes Kontaktformular auf ihrer Webseite.  Und zwar muss man ankreuzen (Mehrfachnennung möglich) ob die erstrebte Biografie

ernst/sachlich
heiter
humorvoll
locker
optimistisch
motivierend
familiär
aufmunternd
nachdenklich
liebevoll
Sonstige

sein soll.  Ähm, nette Idee. Ich frage mich, ob dies dann mit dem Preis der Biografie gekoppelt wird. Was ist billiger: familiär oder nachdenklich? Krieg ich bei “locker” einen Rabatt und wie schreibt man “liebevoll”?

Aus der Nachbarschaft

Donnerstag, 12. April 2007

Interessant, wie viele Leute inzwischen bloggen. Hier mal eine Liste aus der Region Stuttgart.