Archiv für März, 2007

Davon geht die Welt nicht unter…

Donnerstag, 15. März 2007

…lautete eines der Lieder von Zarah Leander, die heute 100 geworden wäre. Die Schwedin war die bestbezahlteste Filmschauspielerin im Dritten Reich. “Nur nicht aus Liebe weinen” sang sie, ob “Ich weiß, es wird noch mal ein Wunder geschehen” Adolf Hitler dazu veranlasste, sie zu “mögen” sei einmal dahingestellt. In jedem Falle lehnte sie die Ehrung als “Staatsschauspielerin” sowie die deutsche Staatsbürgerschaft ab, auch wenn ihre Lieder gerne von der NS-Propaganda eingesetzt wurden. Dies wurde ihr später nach dem Krieg als Makel ausgelegt, die Alliierten erteilten ihr zunächst 1945 ein Auftrittsverbot in Deutschland, ebenso wie die schwedische Regierung. Erst ab 1948 durfte sie wieder auftreten. Zarah Leander starb 1981.
Bemerkenswert fand ich den Eintrag in der Wikipedia: “1943 verließ sie Deutschland und kehrte auf ihr Gut Lönö nach Schweden zurück… In Schweden wurden ihre deutschen Filme ebenfalls gerne gesehen. Erst nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad kühlte sich das Verhältnis ihrer Landsleute zu ihr merklich ab.”

Erklärung einiger technischer Dinge

Mittwoch, 14. März 2007

Warum sind Inder nett, wieso braust es beim klicken und weswegen man zum Surfen nicht unbedingt eines Meeres bedarf, hat sich wohl inzwischen rumgesprochen. Was das aber mit diesem Web 2.0 soll, erfährt man hier.

Wehler warnt wieder

Dienstag, 13. März 2007

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler hat der dpa gegenüber erneut eine Warnung ausgesprochen und bittet um Augenmaß bei der Darstellung deutscher Opfer im Film. Er befürchtet eine “Welle der Erinnerung an Flucht und Vertreibung” und warnt vor einem “neuen deutschen Opferkult”. Ihn grause es schon davor, dass das Thema der Massenvergewaltigung in Ostdeutschland drankomme. Er fordert eine “disziplinierte” Aufarbeitung. Was das heißt, ist mir nicht ganz klar. So hat anscheinend der Regisseur Joseph Vilsmaier mit den Dreharbeit zu “Wilhelm Gustloff” begonnen. Das Schiff war voller ostpreußischer Flüchtlinge und wurde von einem sowjetischen U-Boot torpediert. 9300 Menschen starben. Soll man
Wehler zuliebe eine Laufschrift unter dem Bild laufen lassen mit dem Text: “Dieses Unglück kam nur aufgrund der NS-Herrschaft zustande. Für Nebenwirkungen und Kollateralschäden fragen Sie Ihren Professor”? Klingt zynisch, mag man mir aber nachsehen. Denn meine Großmutter wollte eigentlich auch mit der Wilhelm Gustloff fliehen, doch sie bekam keinen Platz mehr. Die Folge: ich blogge.

Vom Schweigen der Ludins

Montag, 12. März 2007

Alexandra Senfft, Enkelin von Hanns Ludin, hat ein Buch über ihre Familie veröffentlicht. Hanns Ludin war ein überzeugter Nazi der ersten Stunde, der als deutscher Gesandter in der Slowakei tätig war. Die Slowakei war zwar autonom, aber komplett von Deutschland abhängig. Ab 1944 wurden auch von dort Juden deportiert. Dies organisierte Ludin und deswegen wurde er 1947 in Pressburg hingerichtet. Gemeinsam übrigens mit Josef Tiso, der als katholischer Geistlicher Präsident der Slowakei gewesen war.
Ludins Familie wollte die letzten 60 Jahre nicht wahrhaben, dass ihr Familienoberhaupt an Verbrechen beteiligt war. Nur sein jüngster Sohn, Malte Ludin, hat einen Film gedreht, in dem er seine Verwandten mit den Fakten konfrontiert. Nun auch das Buch von Alexandra Senfft. Ob filmische oder literarische Annäherung, es zeigt sich, wie groß der Faktor des Schönredens und der Ausblendung unangenehmer Wahrheiten ist. Als Biograf muss man sich dieser Problematik immer bewusst sein.

Als Biograf/in im Internet

Freitag, 09. März 2007

Liebe Kollegin, deren Namen ich hier nicht preisgeben will: Wenn man schon eine ästhetisch anspruchslose Homepage hat, auf der noch das inzwischen terminlich abgelaufene “Geizistgeileröffnungsangebot” steht, dann sollte man keine Wunder erwarten. Zumal die Umlaute in meinem Firefox alle als “?” dargestellt werden.
Und vor allem: Keinen Besuchszähler auf die Seite packen. So weiß jeder, dass seit 1. Oktober 2006 genau 144 Leute die Homepage besucht haben. Abzüglich meiner beiden Besuche macht das 142.

“erinnern, wiederholen, durcharbeiten”…

Donnerstag, 08. März 2007

…lautete Sigmund Freuds Devise. Nun, ich war schon immer der Meinung, dass unser Beruf viel therapeutische Elemente beinhaltet. Die Märzausgabe von Psychologie Heute widmet sich in zwei Artikeln dem Thema “Autobiographie”. Lesenswert! Und ein tolles “Verkaufsargument” findet sich auch: Es sind ja nicht nur mehr Menschen mit extremen Lebenserfahrungen, die eine Autobiografie schreiben, sondern zunehmend ganz gewöhnliche Menschen. Doch sie schreiben, weil sie wissen, dass die “Normalbiografie” des 20. Jahrhunderts per se abenteuerlich war - und darum verdient, festgehalten zu werden. Wehe, da sagt nochmal einer: “Aber ich bin doch nicht wichtig”. Biste doch!

Keine Flucht mehr

Mittwoch, 07. März 2007

Der Zweiteiler um die fiktiven Mahlenbergs, so pilcherig ich ihn auch fand, hat ein Bedürfnis offenbart. Dies bestätigt auch der Historiker Hans Mommsen in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung. In seinen Worten, die Spätphase des zweiten Weltkrieges und der damit einhergekommene Umbruch rücken endlich ins historische Bewusstsein. Die Zeitzeugen haben haben davon nicht allzuviel erzählt, dadurch sei der “Informationsfaden abgerissen”. Warum haben sie all die Jahre so wenig über ihre Erlebnisse gesprochen? Zum einen sei es ein gewisser Selbstschutz gewesen, zum anderen habe man in den 50er-Jahren nach vorne geschaut und aufgebaut - doch nun kommt die Erinnerung wieder hoch. Und auch die Jüngeren entdecken gerade die “Geschichte der Spätjahre des Zweiten Weltkrieges”, so Mommsen und ich.

Nochmal zum Verlag des Biographiezentrums

Montag, 05. März 2007

Damit der Kommentar von Andreas Mäckler nicht in der Bleiwüste unter all den anderen, tollen Texten hier untergeht, hier nochmalst die komplette Antwort, da ich zu doof bin es nicht klappte, einen Link auf den Kommentar zu setzen.

Here we go:

“Da ich direkt angesprochen werde, antworte ich auch gern. Zunächst stimmt es völlig, dass ich sämtliche operativen Entscheidungen im Biographiezentrum allein fälle. Zumeist gebe ich sie vorab zur gemeinsamen Absprache an Stefan Schwidder weiter, der mit mir das Biographiezentrum gegründet hat und es mit mir zusammen leitet. Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis auf der professionellen wie der privaten Ebene. Unsere Zusammenarbeit ist effektiv, reibungslos und erfolgreich. Eine als “Demokratie” von vielen (fachlich inkompetenten) Mitgliedern falsch verstandene Führungsstruktur hat in der Vergangenheit dem Biographiezentrum mehr geschadet als genützt. Jeder konnte mitreden und gute Projekte wie den “Deutschen Biographiepreis” blockieren. Die Folge war eine unverhältnismässig hohe Fluktuation frustrierter Mitglieder, die erst nach meiner Führungsübernahme gestoppt und inzwischen nach 2 Monaten wieder ausgeglichen worden ist. Derzeit verzeichnet das Biographiezentrum pro Monat 4-6 neue Mitglieder, so viel wie nie zuvor. Das Leistungsangebot für die Mitglieder wurde deutlich sichtbar verbessert. Das bestätigt jeder Blick auf die WebSite des Biographiezentrums (www.biographiezentrum.de). Für den Mitgliedsbeitrag von EUR 120,- pro Jahr erhält aber niemand das Recht, sich in die Führung des Biographiezentrums einzumischen. Das wird auch bei anderen Vereinigungen nicht praktiziert. Dass wir alle konstruktiven Anregungen der Mitglieder aufnehmen und möglichst schnell umsetzen, kann niemand bestreiten. Die Realität zeigt jedoch, wie wenig die meisten Mitglieder aktiv am Wachstum des Biographiezentrums beitragen. Das ist genauso, wie Ronald Decker als Begründer dieses ausgezeichneten Biographieblogs nahezu allein sämtliche Beiträge schreibt, weil andere gerne lesen, aber nicht selbst die Mühe auf sich nehmen, etwas beizutragen. Das ist schade, aber wahr.
Das Biographiezentrum nimmt 10 % Provision von Aufträgen, die es aquiriert und an Mitglieder weitergibt. Wer meint, da würden Summen von EUR 500 bis EUR 1500 nur für ein Telefonat und “für ein paar Klicks” bezahlt werden, die der Kunde auch ohne mich (A. Mäckler) leisten könnte, signalisiert sein völliges Unverständnis wirtschaftlicher Prozesse. Damit es überhaupt zu Kundenanfragen beim Biographiezentrum kommen kann, mussten bisher rund EUR 15.000 bis EUR 20.000 investiert werden… (nämlich sämtliche Mitgliederbeiträge und noch mehr Kapital) und noch sehr viel mehr (ehrenamtliche) Arbeit dazu. Viele “Biographen” glauben ja, eine eigene Website und ein Flyer reichten, um ins Business zu starten. Das ist völlige Illusion!
Ein weiteres Missverständnis ist, dass der Verlag des Biographiezentrums “vorgeblich in meinem Namen” (Ronald Decker) oder im Namen anderer Mitglieder auftritt. Das ist völlig falsch. Der Verlag des Biographiezentrums tritt einzig im eigenen Namen auf, er wird allein von mir nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt und verantwortet. Der Verlag bietet allen Interessenten seine Dienstleistung an, die sie in Anspruch nehmen möchten. Dazu sind die Mitglieder ebenso eingeladen wie jeder andere auch.
Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: Die Führung des Biographiezentrums ist ausserordentlich zeitaufwendig und funktioniert längst nicht immer autokratisch. Wenn die Mitglieder einen Vorschlag nicht akzeptieren, der sie unmittelbar betrifft, kann er nicht umgesetzt werden. Beispielsweise wollte ich einen Moderator für unsere Mailingliste durchsetzen, damit der unkontrollierte Meinungsaustausch, der bisweilen persönliche Anfeindungen mit sich brachte (an denen ich manchmal auch beteiligt war), gestoppt würde. Da machten die Mitglieder einfach nicht mit, so ist unsere Mailingliste weiterhin offen und jeder kann schreiben, was er möchte. Alle haben aber erkannt, dass es wirklich ungut ist, wenn jede persönliche Befindlichkeit ungefiltert allen mitgeteilt wird. So haben sich alle diszipliniert und nun hat auch unsere Mailingliste wieder ein gutes Niveau unter Teilnehmern, die sich um Professionalität in der Biographiearbeit bemühen.”

Biographie in xing

Montag, 05. März 2007

Wer Mitglied bei openBC xing ist, sei darauf hingewiesen, dass es seit einigen Tagen eine eigene Gruppe zum Thema “Biographie” gibt.

Die schöne Comtesse

Samstag, 03. März 2007

Gestern lief die Mär vom ultimativen Film über die Flucht aus Ostpreußen auf Arte. Ich fand sie enttäuschend. Der erste Teil - morgen auf ARD - ist reiner Schmontzes. Da werden Figuren (der Gute, der Böse, der verführte Hitlerjunge etc.) pflichtschuldigst aufgebaut und abgefilmt, bei einem maximalen Kitschfaktor. Die eigentliche Flucht findet im zweiten Teil des Films statt, aber auch hier knallen wieder die Klischees dazwischen, so dass ich langsam vor mich litt, wenn auch nicht aus Trauer um das Elend auf der Leinwand. Oder eigentlich: doch…
Ich werde mir den zweiten Teil aber bestimmt nochmal anschauen, vielleicht wirkt er dann besser als im Kontext des völlig bescheuerten Hollywood-für-Arme-Liebesszenarios.
Und für die ganz Hartgesottenen noch ein TV-Tipp.