Archiv für März, 2007

Tempus non fugit

Donnerstag, 29. März 2007

“Zukunft braucht Herkunft” - dieser Satz wäre noch vor 30 Jahren undenkbar gewesen. Heute stand er sogar in der Stuttgarter Zeitung - und bezog sich auf die Renaissance des Unterrichtsfaches Latein. Es gibt also noch mehr Herkünfte als jene aus den Trümmern des Dritten Reiches, die uns prägen, und die wieder mit Neugier und Interesse aufgenommen werden. Dass aber auch die Nazizeit immer wieder neue Aspekte offenbart, belegt dieser Film, in dem zwei streitbare Großmütter, die den Holocaust überlebt haben, auf ungewöhnliche Art und Weise porträtiert werden.

Mark Brandis

Mittwoch, 28. März 2007

Noch nie gehört, den Namen? Ich hatte ihn auch nicht mehr im Kopf und schon lange vergessen, wie ich Anfang der 70er die Romane verschlungen habe. Verbunden ist das mit der unsäglich unangenehmen Begleiterinnerung an Schmalz- und sonstige Wickel, mit denen man als wehrloses Kind traktiert wurde. Da half auch nur die Flucht in den Weltraum.
So wie Mark Brandis, ZACK und Co. für die Erinnerungen meiner Generation stehen, müsste man auch mal die noch viel länger vergangene Kindheits- und Jugendliteratur zusammensuchen. Da steckt nämlich eine Menge biografisches Erinnerungspotenzial dahinter.

Persönliche Erlebnisse als Quellen der Geschichtsforschung

Dienstag, 27. März 2007

Über das Leben von einigen tausend Gulag-Häftlingen, die in der SBZ/DDR verhaftet und auch wieder in die DDR entlassen wurden, ist wenig bekannt. Man weiß, dass sie schweigen mussten, mehr nicht. Diese Forschungslücke schließt nun ein lebensgeschichtlich orientiertes Projekt an der Universität Bremen, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Mehrstündige Interviews und die Auswertung personenbezogener Überlieferungen sollen Fragen beantworten nach dem gesundheitlichen Zustand und möglichen Spätfolgen, nach der Wiederaufnahme in die eigene Familie, nach Zukunftsplänen, Aufstiegschancen und -grenzen. Wer wusste von der Lagerhaft, mit wem sprach man darüber? Gab es Treffen mit Leidensgenossen? Wie war das mit den eigenen Erinnerungen: vergessen zu wollen, aber nicht zu können?Berichte ehemaliger Gulag-Häftlinge, ergänzt durch analytische Aussagen, sendet Deutschlandradio Kultur am 26. April um 19.30 Uhr unter dem Titel “Leben nach dem Gulag”.

Second Life

Montag, 26. März 2007

Als ich vor einigen Monaten mich näher mit Second Life beschäftigte, dachte ich auch, vielleicht ist das eine neue Plattform, die einige interessante Möglichkeiten bietet. Es seien schon renommierte Unternehmen drin. Warum nicht dort Biografische Dienste in irgendeiner Art und Weise anbieten - auch ohne Eurozeichen in den Augen. Das war noch vor dem Hype der vergangenen Wochen, in denen auch noch der letzte Redakteur Second Life für sich  entdeckte. Ich hab mich also angemeldet, eingeloggt, bin ne halbe Stunde sinnlos (wie die übrigen dort) vor einem Portal rumgeeiert. Und das war´s für mich. Meine Einschätzung konnte ich mir heute hier, hier (und hier) bestätigen.

Der lange Weg zu Ruhm und Ehre

Sonntag, 25. März 2007

Es spricht sich rum, das biografieblog. Und andere machen ja auch Eigenwerbung.

Das kann ich auch selber

Freitag, 23. März 2007

Immer wieder schön: Ein Anruf, “ich möchte meine Geschichte aufschreiben”. …. “Was, das soll Tausende Euro kosten? Das kann ich auch selber!” Nur zu. Die meisten Anrufer hatten Jahrzehnte Zeit dafür, haben es aber nicht getan. Und warum der Anruf? Weil sie vermuten, dass ich weiß, wie man eine Autobiografie schreibt. Zurecht übrigens.

Stalins Grenzen

Montag, 19. März 2007

Das russische Staatsarchiv ist immer wieder für Funde gut. Nun ist eine Karte aufgetaucht, die zeigt, dass Josef Stalin im Sommer 1944 noch eine ganze andere Grenze zwischen Deutschland und Polen erwog. Damals nämlich wollte er fast ganz Niederschlesien samt Breslau bei Deutschland belassen. Der Grund: Stalin wollte das von ihm 1939 kassierte Ostpolen behalten und bot der polnischen Exilregierung “Kompensation” an. Doch die Exilregierung lehnte ab, da sie die Besetzung von deutschem Gebiet als dauerhaftes Konfliktpotenzial ansah. Genau diese Vorstellung aber hatte großen Charme für den sowjetischen Diktator. Ein Polen, dass deutschen Revanchismus fürchtet, ist ein pflegeleichterer Vasalle. Also legte Stalin Anfang 1945 die Oder-Neiße-Linie fest und auch Niederschlesien wechselte seine Bevölkerung…

Der Meister der Trakehner

Samstag, 17. März 2007

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Jaja, mein Opa Fritz. Die Pfeife hat ihm immer geschmeckt.

Armut einst und jetzt

Freitag, 16. März 2007

Welchen Wert Gebrauchsgegenstände haben können und wie sich der Begriff der Armut in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat, kann man in diesem erhellenden Beitrag lesen.

Gedenktag in Würzburg

Freitag, 16. März 2007

Habe erst vor wenigen Tagen die Passage in einem Manuskript erfasst, wie ein Achtjähriger auf Kinderlandverschickung die Bombardierung Würzburgs erlebt hat: “Wir standen auf einem Berg und sahen der Zerstörung der Stadt zu. Zuerst warfen die alliierten Bomber Leuchtbäume ab, um die Stadt für die nachfolgenden Flugzeuge auszuleuchten. Dann schmissen sie die Stadt kurz und klein. Zwei Tage später kamen die Überlebenden aus Würzburg zu uns aufs Dorf, sie sahen schlimm aus. Würzburg war total zerstört.”
Als ich diese Passage bearbeitete, war mir gar nicht recht bewusst, dass der Jahrestag des Angriffs unmittelbar bevorstand. Heute vor 62 Jahren, am 16. März 1945, griffen 500 Bomber an. Es begann um 21.25 Uhr, um 21.42 Uhr erfolgte die letzte Angriffswelle. Dabei wurden 256 Sprengbomben und 300.000 Stab-Brandbomben abgeworfen. 5000 Menschen kamen um. Keine drei Wochen später rückten amerikanische Truppen ein. 90 Prozent der Innenstadt waren zerstört, es dauerte bis zum Jahre 1964, den Trümmerschutt abzuräumen.