Archiv für Februar, 2007

Wann ist ein Biograf erfolgreich?

Freitag, 09. Februar 2007

Wann ist ein Biograf erfolgreich? Wenn er gute Arbeit abliefert, also eine interessante Lebensgeschichte vor dem Vergessen bewahrt hat. Wenn er davon leben kann.
Dies sei nicht so leicht, klagte neulich eine Kollegin. Die Marktlage sei schlecht, die Leute haben entweder kein Geld oder halten sich für zu unwichtig (wie in meinem gestrigen Beitrag). Ich weiß nicht. Soo schlimm ist es nun wieder auch nicht um die deutschen Senioren bestellt. Und wenn sie sich selbst für zu unwichtig halten, dann gibt es ja oftmals sanften Druck von der Nachkommenschaft. Generell mögen die hohen Preise einer professionellen Biografie auf den ersten Blick vielleicht abschreckend wirken. Aber die Frage ist doch, sofern das Geld vorhanden ist, mach ich noch ne Kreuzfahrt, schenk ich meinen Erben nochmal ein bisschen was, oder halte ich mein Leben fest. Die Frage ist wohl auch: wer schreibt mein Leben auf. Wende ich mich an einen aus meinem Umfeld, der Abitur hat und gerne “schreibt”? Oder suche ich mir einen vermeintlich seriösen, da “großen” Partner? Also eine der Biografiefabriken, von denen es so viele ja nun auch nicht wieder gibt. Ob Kollegin R. oder Herr F. - sie haben einige angestellte Biografen zu bezahlen, das kostet. Den Kunden, dem das alles eingepreist wird.
Im Mittelfeld der Biografen finden sich meist Ein- oder Zwei-Mann-Betriebe, einige treten als Dreier- oder Vierergespann auf. Etliche betreiben noch ein zweites berufliches Standbein, da sie von Biografien alleine nicht leben können. Schlimm wird es bloß, wenn man dann auf seiner Homepage tausend Sachen bewirbt, die man alle hervorragend beherrscht. Man ist nicht nur Biograf, sondern auch Coach, Werbetexter, Reiseveranstalter und Texterfassungsbüro. Wer alles kann, kann gar nichts richtig - So läuft man dann Gefahr, vom Markt wahrgenommen zu werden. Ich selber habe meine Konsequenzen daraus gezogen. Autoreparaturen und Malerarbeiten werden von mir nicht angeboten…

Ungeschriebene Biografie

Donnerstag, 08. Februar 2007

Im November besuchte ich einen Herren. Ich bin weitläufig mit ihm verwandt, er war früher mein Nachbar gewesen. Obwohl Ende 80, wirkte er 10 bis 15 Jahre jünger. Lebensfroh und vital. Und erzählte gerne aus seinem Leben. So auch mir, aber ein Buch wolle er nicht machen lassen. “Dafür bin ich zu unwichtig”. Seine Frau widersprach ihm energisch, sie wollte, dass er seine Geschichte aufschreibt. Disput vertagt. Nun ist er, kurz vor seinem 88. Geburtstag, unerwartet verstorben. Seine Geschichte nimmt er mit ins Grab.

Hotel-Biografie, Teil 1

Mittwoch, 07. Februar 2007

Viele Menschen, die sich für eine Biografie interessieren, wissen (naturgemäß) nicht, wie das Prozedere abläuft. Die einen sind sprachlos, andere haben sich ihren Lebenslauf im Kopf schon zurechtgelegt und spulen ihn in einer halben Stunde erstmal runter. Jeder hat vage Erwartungen und Befürchtungen. Damit möchte ich aufräumen. Ich werde mein aktuelles Projekt, je nach Ablauf, hier darstellen. Wie sich die Erzähler fühlen, wie das Gespräch verläuft, welche Klippen es zu umschiffen gilt. Und so weiter.

Also. Ich wurde beauftragt, die Biografie einer Mutter zu schreiben. Nichts ungewöhnliches eigentlich, aber sie verbrachte praktisch ihr ganzes Leben mit und in einem Hotel. Es wird also ihre Biografie, die des Hotels und die der letzten fünf Generationen an “Hotelfrauen”. Denn dem Auftraggeber, nennen wir ihn hier GM, liegt viel daran, den Frauen, die oft im Hintergrund wirkten, aber meist doch die Fäden in der Hand halten, eine angemessene Würdigung zuteil werden zu lassen.

Erster Kontakt. Ich komme ins Hotel, der Sohn stellt mir seine Mutter vor. Ihr gefällt die Idee, aber sie ist ziemlich aufgeregt und ihr fällt praktisch nichts ein. Die wenigen Fakten, die parat sind, werden ständig wiederholt, sie hat außerdem Angst, etwas “Falsches” zu sagen. Ihr Sohn müsse alles, was ich aufschreibe, zu lesen bekommen (logo). Mein Part: mich mit ihr bekannt machen, ihr die Angst nehmen, durch summarisches Erfragen einiger biografischer Eckdaten ihr Gedächtnis in Schwung bringen. Knapp drei Stunden verbrachten wir so. Der erste eigentliche Gesprächstermin findet nächste Woche statt, an zwei Tagen. So hat sie bis dahin die Gelegenheit, ihre Erinnerungen zu mobilisieren.    Dann stößt auch noch eine ältere Verwandte der Familie dazu, die sicher noch einiges mehr zu erzählen weiß. Außerdem bekomme ich Unterlagen zu den vorigen Generationen.

Fünfzig Plus?

Montag, 05. Februar 2007

Gibt es das überhaupt? Wer spricht von der Generation 50plus, außer den Erfindern, die aus dem Bereich des Marketings kommen? Vor allem die Volkshochschulen mit ihren Bildungs- und Freizeitangeboten. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Schlagwort liefert Elke-Heidrun Schmidt vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung, zu lesen und runterzuladen hier.

Ein Veteran des Ersten Weltkriegs

Freitag, 02. Februar 2007

Ende Januar starb Robert Meier. Er war mit 109 Jahren der älteste lebende (männliche) Deutsche. 1897 in der Ukraine als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren, kämpfte er ab 1915 an der Westfront. Er war einer der letzten acht noch lebenden Veteranen des Ersten Weltkrieges und der einzige, der das Metzeln an der Westfront miterlebt hat. Im Oktober 2006 noch traf er den 110 Jahre alten Henry Allingham, den ältesten britischen Veteranen. Maurice Floquet, der älteste Franzose, war da bereits schon zu schwach zum Reisen (und starb am 10. November 2006, genau 88 Jahre nach dem Waffenstillstand 1918).
Die älteste noch lebende Deutsche ist übrigens Irmgard von Stephani, geboren am 20. September 1895.

Öffentlichkeit für Biografen

Donnerstag, 01. Februar 2007

Heute erreichte mich ein Anruf von der Berufsberatung (NEIN, sie fragte nicht: “Wollen Sie nicht mal einen gescheiten Beruf machen?”…). Der Dame erschien der Beruf des Personal Historians so interessant und wie geschaffen für ihre Klientel der angehenden arbeitslosen Akademiker, dass sie mich fragte, ob ich nicht mal einen Vortrag über unser Berufsbild halten wolle. Hab erst kurz geschluckt ob der Vorstellung, ein oder zwei Dutzend frischgebackene Geisteswissenschaftler hier in Tübingen als “Konkurrenz heranzuziehen”. Dann aber natürlich ja gesagt. Is doch so, langfristig lebt die Nachfrage nach Biografen davon, dass man uns wahrnimmt. Denn wieviel der 82 Millionen Bürger wissen, dass es das gibt: Privatbiografien. Jeder, der davon erfährt und darüber aufgeklärt wird, ist ein Multiplikator. Auch Studis.
In dieselbe Bresche haut übrigens auch Andreas Mäckler, der einen Wissenstransfer und eine Kooperation zwischen Biographiezentrum und der Deutschen biografischen Gesellschaft befürwortet. Es geht nicht darum, dass der Kuchen kleiner wird, der Kuchen muss wachsen.
Dazu auch noch die Meldung, am 31. März startet wohl im Pay-TV (Premiere) der “Biography Channel“. Ein Spartensender nur zum Thema Biographien. Wird zwar nur um Berühmtheiten gehen, ist aber ein weiteres Mosaiksteinchen für uns Erinnerungsarbeiter.