Archiv für Januar, 2007

le blog biografique

Mittwoch, 31. Januar 2007

oder so ähnlich: der Biografieblog wird mehrsprachig.

Die Autobiografie des Murnat K. in G.

Dienstag, 30. Januar 2007

Die erste Autobiografie eines Opfers des “war on terrorism” erscheint bei Rowohlt. Murnat K., von der CIA nach Guantanámo verschleppt, berichtet in seinem Buch, das in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Helmut Kuhn entstand, über „Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantánamo“. Erscheinen soll das Buch am 23. April.
Gleichzeitig hat mir heute Andreas Mäckler einen Lesetipp zum Thema Biografie gegeben. In der Berliner Zeitung äußert sich ein Professor. Für Sozialpsychologie. Er leitet außerdem die Forschungsgruppe “Erinnerung und Gedächtnis” am Kulturwissenschaftlichen Institut des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen. Und wenn er dann noch Platz auf seiner Visitenkarte hat, dann diktiert er der Berliner Zeitung Sätze wie: “Aber diese Amateur-Autoren schreiben immer standortbezogen - sie sehen nicht über den Tellerrand hinaus. …Man kann in diesen Texten nichts über Geschichte erfahren, aber etwas darüber, wie die Menschen ihre eigene Vergangenheit verstehen.”
Ich weiß noch nicht,  wie Murnat K. über seinen Tellerrand berichten wird. Aber irgendwie werde ich die Vorstellung nicht los, dass seine Erinnerungen sehr viel über die Gegenwart (also noch nicht vergangene Geschichte) aussagen. Auch wenn er in den fachkundigen Augen eines Professors ein “Laie” ist. Tja, jeder ist der Laie seines eigenen Lebens.

Computer und Biografie

Sonntag, 28. Januar 2007

Nun, was die Erwartungen an das “Elektronengehirn” angeht, so hat man sich da zuviel, oder besser gesagt das falsche, versprochen. Vor 22 Jahren kaufte ich meinen ersten “PC”. Festplatte gab´s keine. Die im Lieferumfang versprochen leeren Disketten sollten nachgereicht werden. Also saß ich daheim am neuen Computer - und tippte ein Spielprogramm ab. In Basic. Stundenlang. Das spielte ich dann, eine halbe Stunde rannten unkenntliche Pixels quer über den grünleuchtenden Bildschirm. Das abgetippte Programm konnte ich ohne Diskette nicht abspeichern, als ich dann den PC ausmachte und zu Bette ging. Am nächsten Tag die gleiche Tipperei, aber dann konnte ich endlich speichern.
Nun, 22 Jahre später, bin ich seit kurzem in World of Warcraft unterwegs. Eine Fantasiewelt, ermöglicht durch moderne PCs und, v.a. die Standleitung ins Internet, sprich dsl. In WOW kämpft man gegen Monster etc., aber das eigentlich Faszinierende sind menschliche Mitspieler, mit denen man sich zusammentun kann. Gestern war ich mit Yellowheart unterwegs, der sich mit jener Fantasiewelt besser auskennt. Und nach stundenlangem Kämpfen konnten wir einen der Oberbösen besiegen. Yellowheart, der wissen wollte, wie ich alt ich bin, war wohl überrascht, dass auch so olle Säcke in WOW unterwegs sind. Er selber ist 17.
Und da schließt sich der Bezug zum Thema “Biografie” an. Es ist schlichtweg einer jener gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und was-weiß-ich Entwicklungen, die die Welt verändert haben. Ich meine den Computer. Ohne PCs würde es kaum Biografien geben. Mit Schreibmaschine getippte Manuskripte beim Schriftsetzer abgeben, zum Buchbinder bringen… Den Aufwand könnte keiner zahlen. Ohne Digitaldruck wären keine kostengünstigen kleine Buchauflagen möglich. Und ein Schreibmaschinen-Manuskript im Copyshop fotokopieren lassen, vergiss es. Verneigen wir uns also vor den Rechenmaschinen (deren Technik einen ja auch immer noch in die Demut treiben kann) in Dankbarkeit, dass sie uns unseren Job ermöglicht haben und uns unsere Zeit stehlen. Und begeben uns, für nur noch winzige fünf Minuten, in die nächste Höhle voller Monster…
Das wird vielleicht für die Mittelalten auch noch eine Frage für die Biografie werden: “Was war Ihr erster Computer?”

Biografisches in der Blogosphäre

Freitag, 26. Januar 2007

Ja, unser Workshop gestern, die Technik beim Schwäbischen Tagblatt hat uns den praktischen Part des Bloggens leider nicht erlaubt, aber ich hoffe, die Teilnehmer haben dennoch einen Eindruck mitgenommen, was denn ein Blog ist und wozu es nutzt. Hier in diesem Falle dient es ja vor allem, dem Thema Biografie und Erinnerungskultur einen Raum in der “Blogosphäre”, und besser noch: der allgemeinen Öffentlichkeit, zu geben. Ich bin aber immer wieder aufs neue überrascht, dass sich auch andere Blogger mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Denn im allgemeinen sind Blogs doch eher “weltlichen” Themen zugewandt.
Wie beispielsweise “Deutschland im O-Ton“.

Idolatrisches

Donnerstag, 25. Januar 2007

So, Egopflege: Da heute in den Sälen des Schwäbischen Tagblattes die 2. Tübinger Medientage stattfinden, auf denen wir unseren Blog-Workshop abhalten, hier noch eine kleine Reminiszenz an´s Tagblatt. Verbunden mit einem lehrreichen Aspekt für unsere Workshop-Teilnehmer. Nämlich der Frage: Taugt ein Blog als Marketingmaßnahme? Begründen Sie Ihre Antwort ausführlich unter besonderer Berücksichtigung des postmodernen Neustrukturalismus und vergleichen Sie dabei den Bloggismus mit der frühmittelalterlichen Idolatrie.
Okay, war nur ein Scherz.
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Zack 17, Pogo und Trakehner

Donnerstag, 25. Januar 2007

Wie passt denn das zusammen?
Biografien sind Lebensgeschichten, und nichts ist bekanntermaßen spannender und vielfältiger als das Leben selbst (na gut, vielleicht noch World of Warcraft). Dafür exemplarisch war der gestrige Tag. Erst schrieb mir Karl Nagel, der “Meister des Chaos” und Scheffe der APPD (”Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands”), über den ich kürzlich hier berichtet habe. Karl Nagel teilte mir mit, dass er grad an seiner Biografie arbeitet, online hier zu lesen.
Danach telefonierte ich mit einer Dame, die die Erinnerungen ihrer Mutter festhalten will. Die Gute wird demnächst 99 Jahre alt. Das ist doch toll. Zumal ich Marion Dönhoffs Autobiografie zu lesen angefangen habe, sie war der gleiche Jahrgang. Ich hätte nicht gedacht, dass wir drei etwas gemeinsam haben: Trakehner. Mit Pferden hab ich´s ja nicht so, seit mich mal solch ein Tier als kleiner Junge ins Bein biss. Aber Dönhoff und meine Gesprächspartnerin teilten die Zuneigung zu Trakehnern. Und was war mit meinem Opa? Er war seinerzeit in Ostpreußen auf Trakehnen in der Remonteschule (Reitschule) beschäftigt…
Das genau ist das Faszinierende an meinem Beruf: immer wieder neue Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es zu erzählen gilt - und die immer in einem größeren Kontext steht.

Im Lichte der Lokalpresse…

Mittwoch, 24. Januar 2007

… betrachtet, findet sich der Autor dieser Zeilen hier. Naja, ganz so langweilig bin ich nun wieder auch nicht. Aber meine Jahre als Fremdenlegionär, Großwildjäger, Rennfahrer und Astronaut hab ich im Interview lieber verschwiegen…

Das Wort zum Dienstag

Dienstag, 23. Januar 2007

Na, das ist doch mal was. Beim Stöbern bin ich auf die Radioandacht des MDR 1 vom 14. Januar gestoßen. Die Pfarrerin Elisabeth Langerfeld befasst sich mit Lebensgeschichten: “Längst nicht alle Menschen können ihre einmalige Geschichte so erzählen: Entweder haben sie keine Zuhörer oder sie können nicht in Worte fassen, was sie erlebt haben. Oder die Stimme versagt ihnen, wo es um die vielen Verletzungen und Brüche in ihrem Leben geht. Und trotzdem steckt tief in ihnen eine leise Sehnsucht, wenigstens ein Mensch möchte sich für sie interessieren. Nur einer solle kommen und fragen: “Und was war wichtig in deinem Leben? Wie hast du all die Schwierigkeiten bloß gemeistert?”
Das ist doch herrlich formuliert.
Laut Elisabeth Langerfeld gibt es bei der Herrnhuter Brüdergemeinde den Brauch, “die eigene Lebensgeschichte weiterzugeben und sie für spätere Generationen zu bewahren. Es ist dort üblich, dass bei einem Begräbnis der selbstverfasste Lebenslauf des Verstorbenen verlesen wird. Noch einmal kommen deren Worte zu Gehör. Wie ein Vermächtnis ist der Lebenslauf - nicht nur für die Angehörigen, sondern für die ganze Gemeinde.”
Wer hätte das gedacht, Erinnerungskultur in ihrer Reinform. Aber so was geht vielleicht auch nur in einer festen und intakten Gemeinschaft. Ich wünsche mir bestimmt keine religiösere Gesellschaft, damit die Menschen wieder ihre Lebenserinnerungen bewahren und weitergeben - aber dieses “Wort am Sonntag” zeigt, wie wichtig Erinnern ist.

Kostenloser Workshop zum Thema “Blog”

Montag, 22. Januar 2007

Auf den 2. Tübinger Medientagen stelle ich mich nicht als Biograf dar, sondern als Blogger. Bei einem Workshop am Donnerstag, 25. Januar, kann man sich ab 19.15 Uhr die Frage stellen: “Schreiben Sie noch oder bloggen Sie schon?” Der Workshop ist wie gesagt kostenlos und behandelt die Themen Sinn und Zweck eines Blogs, Technik und die praktische Arbeit. Zu gewinnen gibt es Wissen und ein Blog auf Tueblogger.de. Wer also Zeit hat und in der Nähe ist, kann sich einfach per Email an info@pixel-circus.com anmelden.

Gute und schlechte Biografien

Donnerstag, 18. Januar 2007

1. Die “schlechte Biografie”: Heute steckte völlig überraschend der “Rheinische Merkur” in meinem Briefkasten. Ist eigentlich nicht mein Ding, aber siehe da, im Kulturteil findet sich eine kritische Anmerkung zum Boom der Promi-Biografien: “die Blößenwahnsinnigen”. Die Kernthesen: Promi-Biografien sind Bücher für Leute, die nicht lesen, geschrieben von Leuten, die nicht schreiben. Außerdem: ein echter Promi schreibt keine Autobiografie, das macht er erst, wenn er schon nicht mehr ganz so prominent ist. In die Regale der Buchläden bringt man die Promibekenntnisse folgendermaßen: Gerüchte streuen in der Fachpresse (Bild); Fachpresse druckt die schmutzigsten Stellen; Fachpresse räumt dem daraus entstehenden Skandal weiteren Zeitungsraum ein.
2. Die “gute Biografie” kennzeichnet der Merkur so: “sie sagt etwas über viele Menschen, indem sie etwas über einen sagt, und sie sagt auch etwas über Zeit und Gesellschaft aus, die diesen Menschen zu dem machten, der er ist.”
Genau. Und am Rädchen der kollektiven Erinnerung drehen wird auch wieder der Zweiteiler “Die Flucht“. Arte zeigt ihn am 28. Februar am Stück. Am 4. und 5. März folgt die ARD. Der Film handelt von der ostpreußischen Adelsfamilie von Mahlenberg, die sich Mitte 1944 allmählich mit dem Gedanken befasst, in Richtung Westen fliehen zu müssen. Im Winter ergreift die Tochter, Lena von Mahlenberg (Maria Furtwängler), die Initiative und tritt mit der Familie und den Kriegsgefangenen des Landguts die Flucht über das Haff an, wo viele Menschen bei russischen Luftangriffen sterben. Maria Furtwängler hat Erwartungen an den Film: “Ich hoffe, dass unser Film dazu beiträgt, dass junge und alte Menschen über die schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte miteinander reden.”
Würde mich freuen, denn daraus könnten wieder einige “gute”, da erhellende Autobiografien entstehen. Lieber Omas “Durchgekommen” als Heiner Lauterbachs “Nichts ausgelassen”.