Archiv für Oktober, 2006

Fluch und Segen der Technik

Dienstag, 31. Oktober 2006

Hier stünde nun eigentlich, nach tagelangem bloggistischen Faulenzen, ein tiefschürfender und interessanter Beitrag. Doch er wurde vom gefürchteten BSOD (Blue Screen of Death) dahingerafft. Das heißt: Poff - das ganze Windows liegt im Speichernirwana und ein blauer Bildschirm höhnt mit bescheuerten Fehlermeldungen. “Zwischenspeichern nicht vergessen” lautet also eine immer wieder gern ignorierte Warnung. Nun, als Entschädigung, und weil ich mir grad den Text nicht noch einmal aus den Fingern saugen will, ein kleiner Tipp zur Technik. Das Biografieblog hat einen newsfeed. Wer mit dem Firefox (zumal dem aktuellen 2.0) unterwegs ist, sieht rechts in der Adresszeile des Browers ein kleines Symbol:bb-leiste.jpg
Einfach anklicken und in den Lesezeichen wird´s gespeichert. Jedesmal, wenn hier ein neuer Beitrag erscheint, wird man dann benachrichtigt.

Autobiografie auf Krankenschein?

Freitag, 27. Oktober 2006

Bin heute wieder mal auf ein obskures Angebot gestoßen. Ein Biograf, der nicht nur mit einem eigenen Stundenlohn unterhalb des offiziellen Existenzminimums wirbt, sondern der auch suggeriert: “Die lebensberatenden Gespräche können evtl. über Ämter abgerechnet werden. In absehbarer Zeit … können die lebensberatenden Gespräche evtl. über die Krankenkasse abgerechnet werden.”
Ich seh schon folgende Szene in deutschen Arztpraxen: “Herr Doktor, mir ist heut so erzählerisch.” “Ah, Sie haben eine Autobiografietis. Da verschreibe ich Ihnen am besten ein Buch.”
Spaß beiseite. Natürlich kann das Erzählen der eigenen Lebensgeschichte eine therapeutische Wirkung haben. Und das ist gut so. Aber den Kunden weismachen, dass die Krankenkasse dafür aufkäme, ist Humbug.

Biografie im Einkaufszentrum

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Es muss ja nicht das sogenannte “außergewöhnliche” Leben sein, das besonders faszinierend ist. Da sind wir Biografen uns einig. Einen interessanten Einblick ins gewöhnliche Alltagsleben bieten Kolja Mensing und Florian Thalhofer, die sich zur Aufgabe gemacht haben, einen Monat lang den Alltag in einem Einkaufszentrum zu beobachten und mitzuerleben. Im Bremer Roland-Center spüren sie Geschichten nach, die sie zu “kleinen Alltagsromanen verdichten” wollen. Endziel ist ein Dokumentarfilm, aber bis dahin bloggen sie regelmäßig ihre Erlebnisse.

Biografie einer jüdischen Familie

Dienstag, 24. Oktober 2006

Gut, dass es nicht nur Schrödersche Selbstrechtfertigungen gibt, sondern auch exemplarische Familienbiografien. Bin im Netz über die Seite www.chotzen.de gestolpert. Dieses Gemeinschaftsprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Historischen Museums stellt anhand des Schicksal der jüdischen Familie Chotzen die Verfolgung der Juden im Dritten Reich dar. Und zwar mit vergleichender Zeitleiste, Kurzfilmen, Tondokumenten und einer wirklich umfassenden Medien- und Quellenpräsentation. Wer sich mit dem Leben (und Sterben) im Dritten Reich beschäftigt, findet hier äußerst wertvolle Informationen. Angucken!

Basta und Brioni

Montag, 23. Oktober 2006

Ich bin schon lange kein Spiegel-Leser mehr. Seit er sich “Focussiert” hat á la “Die hundert besten Fahrradsättel” und sonstigen brandaktuellen Themen. Auch die Spiegelsprache geht mir schon lange auf den Senkel. Aus diesen genannten Gründen, und noch anderen, möchte ich hiermit klar und deutlich zum Ausdruck bringen, dass ich heute dennoch den aktuellen Spiegel kaufen werde. ABER NICHT wegen Schröder, sondern weil mich der zweite Teil des Themas “Nürnberger Prozess” interessiert. Ich will jetzt auch nicht auf den diese Woche über unsere mediale Aufmerksamkeit hereinbrechenden Schöder-Autobiografie-PR-Hype hinweisen, das können andere. Hier, hier und hier. Aber eine Empfehlung möchte ich dennoch aussprechen. Die einzig wahren und unverfälschten Tagebuchaufzeichnungen der Gerhard S. hat die Taz ausgegraben.

Bruder A.

Freitag, 20. Oktober 2006

adolf1.jpgReiner Zufall, dass ein alter Spiegel mit einem Artikel über Hitlers Leibfotografen Walter Frentz neben dem Büchlein von Martin Walser zu liegen kam. Aber auffällig ist die Ähnlichkeit ja schon. Was will uns Walser, der das Buch links zusammenstellte, damit symbolisieren? Wurde da vor Jahren schon begonnen, eine weitere Zwiebel zu schälen? Ich hätte da schon einen Titelvorschlag: Deutschland, Deine Flakhelfer.
Übrigens, das Bild ist von Pablo Picasso. Was will uns das nun wieder sagen?

Dem Abschied Gestalt geben … Erfolg ist bis zum Tod zu überleben

Freitag, 20. Oktober 2006

In meinem stillen Kämmerlein erarbeite ich dann aus allen gesammelten Informationen die „maßgeschneiderte Rede“ für Herrn Noczynski. Sie ist dann gelungen, wenn sie die Essenz aus Zuhören, Nachfragen, Reflektieren, rotem Faden, Klagen, Gedenken und Danken enthält und der Kunde sich darin wiederfindet. Nicht alles lief glatt auf diesem Weg, der von starken Emotionen gepflastert war, doch am Ende stand alles so geschrieben wie es gewünscht war. Auch Frau  Noczynski, der am Anfang alles unangenehm war, ist berührt,  weil es dank aller Beteiligten eine „ganz persönliche“ Rede und Abschiedsgestaltung geworden ist, in der sie ihren Mann und sich mit ihrem Leben wiederfinden. Beiden ist schwer ums Herz ob des nahen Abschieds, doch sie fühlen eine Last genommen, weil nun alles geregelt ist.   Herr Noczynski genießt trotz aller Unwegsamkeiten seine ihm verbleibende Zeit und macht dem Spruch: „Erfolg ist, bis zum Tod zu überleben“, alle Ehre.

Wie einfach ist “ich nicht”?

Donnerstag, 19. Oktober 2006

“Die Vergangenheit ist stets ein imaginäres Museum. Man zeichnet im nachhinein nicht etwa auf, was man erlebt hat, sondern was die Zeit, die wachsende perspektivische Verschiebung sowie der eigene Formwille im Chaos halbverschütteter Erlebnisse daraus gemacht haben. Im ganzen hält man weniger fest, wie es eigentlich gewesen, sondern wie man wurde, wer man ist.” Dies resümiert Joachim Fest am Schluss seiner Autobiografie.
Fest betont immer die Rolle seines Vaters, der die ganze Familie gegen die NS-Ideologie immunisierte. Gestern gab mir einer meiner Erzähler zu bedenken: “Aber Joachim Fest hat´s doch leicht gehabt, er musste sich seine Meinung nicht alleine und gegen den Willen seiner Nächsten bilden.” Natürlich litt die Familie unter ihrer Gegnerschaft und hatte etliche Nachteile. Und es gab Momente, an denen Fests Vater an Hitlers Erfolgen verzagte.
Dennoch eine spannende Frage: War es für Joachim Fest einfacher, “ich nicht” zu sagen, als für jemand, der in einem gänzlich anderen Milieu oder mit Nazi-Eltern aufwuchs? Ich glaube nicht, dass es einfach “einfacher” war, aber für ihn logischer und konsequenter. Doch nur wenige seiner Altersgenossen hatten wohl eingefleischte Anhänger der Weimarer Republik zum Vater, die dann auch nicht der Faszination Hitlers erlagen. Fest tat gut daran, seinem Vater zu glauben.

Happy Birthday

Mittwoch, 18. Oktober 2006

Heute hätte einer der großen deutschen Filmschauspieler seinen 80. Geburtstag. Ohne ihn wären die Edgar-Wallace-Verfilmungen gänzlich seichtes Gewäsch. Er spielte den Aguirre als wäre er wirklich der Zorn Gottes. Nie zuvor hat uns jemand Nosferatu als so menschliches Phantom der Nacht nahe gebracht. Na, erraten? Klar! Und ich bin sicher, dass jeder Leser zu Klaus Kinski eine explizite Meinung hat. Entweder hasst man ihn oder man liebt ihn. Dazwischen gibt es nichts. Allen die ihn hassen sei gesagt, dass die BBC Kinski als einzigen Deutschen auf ihrer 2006 veröffentlichten Liste der 50 größten Schauspieler aller Zeiten auf Platz45 führt. (Quelle: Wikipedia)
Was diese Laudation in einem Biografieblog zu suchen hat? Zum einen ist Kinskis Autobiografie “Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund” noch immer lesenswert. Weniger wegen des inhalts als wegen des exzessiven Stils. Und außerdem ist natürlich zum heutigen Geburtstag auch eine neue Biografie erschienen, die den wahren, schönen und guten Kinski zeigen will, so wie er angeblich wirklich war. Ich bin mir absolut nicht sicher, ob ich ausgerechnet das lesen möchte.

Littell to know

Dienstag, 17. Oktober 2006

Als allwissender und weiser Admin weiß ich, dass Viele über mein Blog stolpern, wenn sie Informationen über den Autor Jonathan Littell suchen. Das freut mich natürlich und ich habe noch einen Hinweis parat: In der aktuellen ZEIT findet sich auf Seite 68 ein kleines nettes Porträt des Schriftstellers, leider nicht online. Daher zwei Tatsachen: So hat der Berlin-Verlag 400 000 Euro für die Übersetzungsrechte gezahlt (dafür kriegt er aber auch 900 Seiten). Littell selbst sieht aus “wie der kleine Bruder von Sean Penn” und hat keine Lust auf Interviews mehr. Sein fiktiver Buchheld, eine “apokalyptische Version von Woody Allens Zelig”, ist der Versuch zu erklären, wie aus normalen Menschen Massenmörder werden.