Archiv für September, 2006

Neuerscheinung

Freitag, 29. September 2006

Da hätte ich bei all dem Nachdenken über Hundebiografien und andere Tiere doch fast vergessen, das Buch vorzustellen, über dessen Anlieferung ich vor ein paar Tagen berichtet habe. Es ist zwar keine “reine” Biografie, hat aber biografische Passagen und zudem bin ich Co-Autor und das rechtfertigt die Präsentation hier allemal. Es ist ein recht ungewöhnliches Buch über eine ungewöhnliche Reise, denn noch ist es keineswegs selbstverständlich, dass Sehende und Blinde etwas miteiander unternehmen. Mehr zum Inhalt gibt es hier. Wer jetzt neugierig geworden ist und das Buch lesen will, ich nehme Bestellungen jederzeit entgegen.

Keine Angst vor Digitaldruck

Freitag, 29. September 2006

Auch wenn der Beruf des Biografen ein recht alter ist, kam er erst in den letzten Jahren wieder in Mode. Das hat nicht nur mit einem neu erwachten Interesse an der Vergangenheit zu tun, sondern hängt auch mit dem technischen Fortschritt zusammen. Der digitale Buchdruck erst ermöglicht die kostengünstige Herstellung von individuellen Büchern. Wer mag, kann ein Buch auch nur einmalig drucken lassen. Digitaldruck heißt aber nicht, dass sowas dabei rauskommt, keine Sorge!

Wenn Schafe wenigstens lesen könnten

Mittwoch, 27. September 2006

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“Hundebiografien schon vergeben,” grummelte Ronald D. bei einem Spaziergang vor sich hin. Da. Plötzlich eine Bewegung. Eine Eingebung. “Hey Mädels, wie wär´s mit ner Biografie?” Doch die skeptischen Blicke der Zielgruppe ließen einen gewissen Zweifel ihrerseits an meinen Honorarforderungen erkennen. Dabei wollte ich doch bloß einen neuen Pulli.

Auf den Hund gekommen

Dienstag, 26. September 2006

Auf was für Ideen manche Leute kommen. Selbst arrivierte Autoren. Da ist zum Beispiel Eva Klingler, deren Krimis in renommierten Verlagen erschienen. In zehn Jahren brachte sie es auf 13 Veröffentlichungen, bei Goldmann, Econ und Ullstein. Ihr Goethe-Krimi “Warte nur, balde ruhest Du auch” wurde sogar von der Frankfurter Rundschau abgedruckt. Jetzt reibt sich der Leser verwundert die Augen, wenn er von einem neuen Hundebiographieservice liest und feststellt, dass sich dahinter eben jene Eva Klingler verbirgt. Wegen Geld macht sie es sicher nicht (obwohl die meisten Krimiautoren nicht zu den Großverdienern im Literaturbetrieb zählen), denn für 30 Seiten Hundeleben berechnet sie gerade einmal 150 Euro. Was treibt sie dann an? Die Liebe zum Hund? Wie man auf ihrer Website erfährt, lebt sie mit zwei Katzen zusammen. Von Hunden ist da keine Rede. Ist das alles vielleicht nur ein PR-Gag? Chapeau, der ist gelungen! Schließlich bin auch ich auf ihn hereingefallen.

Bombige Biografien

Dienstag, 26. September 2006

Wer hätte das gedacht? Auch Generäle und amtierende Präsidenten haben nebenher Zeit für ihre Autobiografie. So zum Beispiel Pervez Musharraf. Der Cheffe von Pakistan hat seine Autobiografie unter dem Titel “In the Line of Fire” jetzt in seiner Amtszeit herausgebracht. Und das ist durchaus große Politik, denn er schreibt, er sei von den USA bedroht worden. Würde Pakistan sich nicht am “Kampf gegen den Terror” beteiligen, so würde es “in die Steinzeit zurückgebombt” werden.
Die meisten Politiker warten ja mit dem Ghostwriting Schreiben ihrer Autobiografie, bis sie aus dem Amt geschieden sind. Und das ist auch gut so. Auf Angela Merkels “Mein Leben mit Münte” kann ich noch ein Weilchen warten…

Biografie aus der Dritten Welt

Montag, 25. September 2006

Ich habe den neuen Broder noch nicht gelesen, habe mich aber auch nicht um ein Exemplar beim Bodenseepeter bemüht. Ehrlich gesagt, finde ich Broder auch etwas scheinheilig, aber da Matthias´ Buchempfehlungen bisher immer recht zuverlässig waren, werde ich mir den Zyniker mit eingebauter Spiegel-Kolummne mal antun. Wollte ich sogar schon zum Urlaub, der gestern hätte beginnen sollen, aber da hat mir das Kranksein einen Strich durch die Reiserechnung gemacht. In eine ähnliche Kerbe wie Broder haut übrigens die umstrittene niederländische Politikerin Ayaan Hirsi Ali in ihrer Autobiografie “Mein Leben, meine Freiheit”, die bei Piper erscheint. Sie kritisiert den Islam und den falschen Toleranzbegriff des Westens. Vor allem aber stellt sie die eine entscheidende Frage, die ihrer Autobiografie Existenzberechtigung verleiht: “Wie viele Mädchen, die im November 1969 im Digfeer Hospital in Mogadischu zur Welt kamen, sind noch am Leben? Wie viele können sich artikulieren?” Es ist die Autobiografie einer Frau, die dagegen aufbegehrte, “dass es ihr einziges Lebensziel sein soll, Söhne zu gebären, dass sie jeden Abend für den Tod aller Juden beten muss, dass es Zwangsheiraten gibt. Ich habe mich für Freiheit und Vernunft entschieden, gegen Aberglaube und Vorurteile. Aber ich habe nicht gewusst, wie schwer es wird.”
Der Biograf als Aufklärer? Aber gerne.

Und wenn wir schon bei Aufklärern sind, ist es nicht köstlich, wie auf dem Konstanzer Historikertag immer nur die Rede von Herrn K. war, wenn es sich um Guido Knopp handelte. Der Jenaer Zeithistoriker Norbert Frei bezeichnete das Verfahren des ZDF-Manns gar als “Geschichtspornografie”. Die Taz hat dazu einen erhellenden Beitrag. Ich finde, dieses Konstanzer Konzil sollte noch ausführlicher betrachtet werden. Schließlich geht´s dabei indirekt auch um uns Biografen. Aber jetzt werde ich noch ein bisschen rekonvaleszieren und mich von der besten Pflegekraft der Welt umsorgen lassen…

Off-Topic-Lesetipp

Freitag, 22. September 2006

Von einem Freund (danke Peter) bekam ich vor ein paar Tagen, als die Debatte über die Papstrede zum Islam hochkochte, ein Buch geschenkt: Henryk M. Broder: Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken.” (wjs-Verlag, 16 Euro) Ich habe es gestern auf der Zugfahrt nach Stuttgart in einem Rutsch verschlungen. Es ist ohne Zweifel das politisch unkorrekteste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Beispiel gefällig? Gerne: “Wer ein Auto klaut und damit einen Menschen an einer Kreuzung totfährt, der ist ein Verbrecher. Wer sich mit einer Bombe im Rucksack in einem Bus in die Luft sprengt und andere Passagiere mitnimmt, der ist ein Märtyrer, ein gedemütigter Mensch, der sich nicht anders zu helfen wusste.” Broders oftmals sarkastische Streitschrift ist ein flammendes Plädoyer wider die Appeasement-Politik, in der Europa gegenüber dem islamistischen Terror zu erstarren scheint. Jedem, der noch Lust an streitbarer Auseinandersetzung hat, sei dieses Buch empfohlen. Ich jedenfalls habe die eine oder andere Schwäche des Buches (manchmal zu sarkastisch, oft nur sprachgewaltiger Essay, wo tiefer gehende Analyse nötig wäre), gerne in Kauf genommen. Selbst wenn man nicht allen Thesen Broders folgt, zwingt er einen zu einer spannenden Auseinandersetzung mit überkommenen Denkmustern und man entdeckt, wie oft man selbst bereits gedanklich eingeknickt ist. Deshalb noch einmal: Dieses Buch sollte man lesen.


Biografische Bildsammlung

Donnerstag, 21. September 2006

In einer Autobiografie spielen Bilder eine wichtige Rolle. Sie illustrieren die Vergangenheit. Es muss aber nicht immer Tante Frieda sein. Manchmal kann auch eine Person der Zeitgeschichte wichtig sein, vielleicht weil der Erinnernde sie damals kannte. Für solche Fälle bietet das Bundesarchiv in Koblenz eine gute Quelle.
Gibt es Fotos von Sepp Herberger, Günter Grass oder von Ferdinand Graf von Zeppelin? Um der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit im In- und Ausland die Möglichkeit zu eröffnen, sich selbst im Internet über die im Bildarchiv vorhandenen Fotos zu informieren, hat das Bundesarchiv eine biografische Datenbank mit den Namen der Personen eingerichtet, von denen Bilder vorhanden sind. Diese im Internet verfügbare Datenbank umfasst derzeit 57.959 Namen zu Personen, zu denen etwa 800.000 Bilder vorhanden sind. Dabei reicht die Spanne vom Strafrechtsprofessor J. Simon van der Aa, über Konrad Adenauer, den SPD-Vorsitzenden Erich Ollenhauer bis zur polnischen Jazzsängerin Natascha Zylskie. Die Datenbank wird vierteljährlich aktualisiert und um weitere Personen ergänzt. Auf der Internetseite www.bundesarchiv.de/biografische-bildsammlung kann nach Vor- und Nachnamen, Land und Bemerkungen recherchiert werden. Die biografische Datenbank wird im nächsten Jahr durch die im Aufbau befindliche Bilddatenbank des Bundesarchivs abgelöst. Mit der Bilddatenbank werden circa 250.000 Bilder online verfügbar sein. Dann kann nicht nur recherchiert werden, ob zu einer Person Bilder vorhanden sind, sondern diese Bilder können gleich betrachtet und gegebenenfalls auch heruntergeladen werden; auch die digitalisierten Fotos von Sepp Herberger, Günter Grass und Graf Zeppelin. Und vielleicht sogar Tante Frieda…

Feiertag für Biografen

Mittwoch, 20. September 2006

Auch im Leben eines Biografen gibt es besondere Tage. Gestern war wieder einer. Gegen Mittag wuchtete ein unfreundlicher Mitarbeiter eines Lgogistikunternehmens ein großes Paket vor meine Haustür. Papier ist nicht nur geduldig, sondern auch schwer. Auch wenn ich schon einige Berufsjahre auf dem Buckel habe, ist es immer wieder ein besonderer Moment, wenn ein neues Buch aus der Druckerei geliefert wird. Ich reiße den Karton unsanft auf und hole ein Buch heraus. Eingeschweißt in die Plastikhülle wirkt es irgendwie noch “ungeboren”. Also auch weg mit dieser Verpackung. Ich drehe das Buch in den Händen und ertappe mich dabei, dass ich den Klappentext lese, den ich auswendig kann, weil ich ihn ganz zuletzt selbst geschrieben habe. Ich schlage das Buch auf und lasse die Seiten über den Daumen gleiten. Bei der einen oder anderen Fotoseite halte ich inne. Schön ist es geworden. Ich bin stolz auf meine Arbeit.

Leider ist dieser Moment nur kurz. Als ich erneut auf die Titelseite schaue, kommen mir Zweifel. Ist da nicht ein leichter Gelbstich? Ich blättere wieder im Buch. Warum ist das Foto auf Seite 114 so unscharf? Und den letzten Absatz auf Seite 128 hätte ich besser umbrechen sollen, oder? Da ist er wieder, der professionelle Blick, der immer nach Fehler sucht und auch dort welche findet, wo ein “unbedarfter” Leser nichts entdecken kann.

Meine Auftraggeberin wird über das ganze Gesicht strahlen, wenn sie ihr Buch das erste Mal in die Hand nimmt. Bei ihr wird dieses Lächeln auch immer wieder zurück kommen, wenn sie ihre (Auto)Biografie in den kommenden Wochen und Monaten in die Hand nimmt, anderen schenkt oder daraus vorliest.

Schluss mit der Kritik. Jetzt freue ich mich auf morgen. Schließlich ist dann schon wieder ein Festtag, denn ich werde meiner Auftraggeberin das Buch persönlich überreichen und dabei in ihr strahlendes Lächeln schauen.

Die kürzeste Biografie der Welt…

Mittwoch, 20. September 2006

… und dann auch noch auf Schwäbisch erreichte heute meinen Bildschirm:
“A bewegts Leaba, s´goht auf ond ab
Au en dr Familie lauft id emmer alles ganz glatt.”