Oink

Donnerstag, 07. April 2011 13:12

Aus den Aufschrieben einer Erzählerin, die als junges Mädchen das Kriegsende in Österreich erlebte. Sie nennt es “das Russenjahr”. Schön finde ich folgende Anekdote: “In die Russenzone durfte kein Vieh transportiert werden. So kamen die Leute auf die Idee, den Ferkeln Schnaps zum Trinken zu geben, so dass sie einschliefen. Sie wurden dann wie kleine Kinder in Kinderwagen gelegt und so in die Russenzone transportiert. Not macht erfinderisch!”

2011 in unserer Biografie

Montag, 14. März 2011 15:13

“Das reicht ja schon jetzt für einen kompletten Jahresrückblick 2011″, schrieb jemand auf Twitter und bezog sich auf die Ereignisse in Arabien und Japan, die unser Weltbild völlig umkrempeln. Alte Gewissheiten lösen sich plötzlich auf und die Welt ist nicht mehr so ist, wie sie im Zuge der alltäglichen Perspektiven zu sein schien. Natürlich hat man als Mensch immer die Option, per Intellekt ein theoretisches “Was wäre, wenn” in petto zu haben. Aber die Realität sieht immer anders aus. Und dieser muss man sich stellen, auch wenn sie in diesen Tagen nicht besonders schön ist. Geschweige denn übersichtlich - zu viele und widersprüchliche Meldungen machen die Runde. Auch wenn das vielleicht ein Luxusproblem ist, denn die Menschen vor Ort haben noch ganz andere Sorgen.
In jedem Falle sind dies Geschehnisse, die sich auch noch in Jahrzehnten in den individuellen Biografien und im kollektiven Gedächtnis finden werden. Seltsamerweise habe ich das Gefühl, diese Ereignisse werden nicht mehr - so wie beim Fall der Mauer und der Türme des WTC - mit einem Datum benannt werden. Auf den “9. November” und “9/11″ wird wohl eher kein “11. März” folgen. Welchen Namen es haben wird, ob “der große japanische Tsunami” oder der Gau oder einfach nur das Ende der Atomkraft, oder sonst was, das muss sich noch erweisen.

Happy Birthday, Michail Sergejewitsch

Mittwoch, 02. März 2011 18:13

Asche auf mein Haupt, der Tag neigt sich dem Ende, und beinähe hätte ich den 80. Geburtstag von Michail Gorbatschow vergessen. Aber ausser manchen Pflichtmeldungen fand sich auch nicht viel in den Medien, da wird lieber dem Plagiator gehuldigt. Dabei ist Gorbatschow die Person, die unser aller Biografie massgeblich beeinflusst hat. Fall der Mauer und des Ostblocks, Ende des Kalten Krieges - diese Umbrüche haben die Welt und Europa verändert. Und damit auch uns.

Nur noch 2 Veteranen

Montag, 28. Februar 2011 15:57

… des Ersten Weltkrieges sind am Leben. Heute starb mit 110 Jahren der letzte US-Veteran. Die letzten beiden Zeitzeugen sind ein Australier und eine Britin. Der letzte deutsche Veteran starb 2008. Der ewige Johannes Heesters ist ja nicht nur Holländer, sondern vor allem mit dem Jahrgang 1903 die entscheidenden zwei Jahre zu jung. Da sieht man wieder mal, wie knapp die Gnade der späten Geburt ausfallen kann.

T.C. Boyles “Frauen”

Montag, 21. Februar 2011 14:51

Lese gerade T.C. Boyles “Die Frauen”. Der Roman ist die Biographie des US-amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright. Eigentlich ist  Architektur nicht so mein Ding, aber Boyle lese ich einfach gerne. Interessant finde ich den Aufbau. Die Geschichte Wrights wird (überwiegend) aus der Perspektive eines japanischen Schülers geschildert. Der Aufhänger findet sich im Titel “Die Frauen”. Wright war viermal liiert, bei den damaligen Moralvorstellungen und der jeweiligen “Überlappung”, sprich den Scheidungsfristen, kein leichtes Unterfangen. Besser gesagt, ein gefundenes Fressen für die Presse, die schon damals gern den “Skandal” suchte bzw. ihn erst schuf. Worauf ich aber hinauswill: Wie interessant es sein kann, jemanden aus seiner persönlichen Umgebung heraus zu porträtieren. “Die fünf Frauen des Joschka F.” - das wär doch mal ein Titel. Nur bei Loddar M. dürfte es nicht funktionieren, der postet seine Lolitas ja immer vorab gleich bei Bild.

Karl-Theodor Xerox und Aspekte des Ghostwritings

Donnerstag, 17. Februar 2011 13:53

Biographen kann man durchaus zur Gattung “Ghostwriter” zählen. Wie bei den Biographen selbst, gibts es auch auf diesem weiteren Feld einige schreibende Schreckgespenste: die so genannten “Akademischen Ghostwriter”, sprich Leute, die einem die Examens- oder Doktorarbeit schreiben. Ich frage mich nun, hatte Karl-Theodor “Xerox” zu Guttenberg nun einen besonders schlechten Ghostwriter beauftragt, oder hätte er einfach überhaupt mal jemanden konsultiert, der sich mit der Abfassung wissenschaftllicher Texte ein bisschen auskennt. Ist ja nicht mein Ding - weder adlige Dissertationen, noch das Anbieten akademischen Fremdschreibens - aber entweder dumm oder dreist. Ich habe das wissenschaftliche Schreiben während des Studiums auch gehasst, zumal es tödlich für die Kreativität ist. Fand ich. Dennoch habe ich es hinbekommen und musste dabei nicht einmal Texte klauen.
Lieber ein mieser Magister als ein duplizierender Doktor.

Gibt es ein Leben nach der Autobiografie?

Montag, 14. Februar 2011 11:58

Jaja,
wenn man erst mal alt und grau ist, dann schreibt man seine Biografie, gibt ja nix anderes mehr zu tun. Ich persönlich hab da einen famosen Gegenentwurf von Sigur Ros.

Zweierlei Leben . . .

Donnerstag, 10. Februar 2011 13:39

. . . so lautet der Titel der Biografie, die mich nun in gedruckter Form als Buch erreichte. Aufgeschrieben habe ich darin die (Familien-)Geschichte eines Zwillingspärchens Jahrgang 1913. Der Vater Landrat, später von den Nazis abgesetzt, der Onkel erster Ministerpräsident Württembergs. Zwei Brüder bleiben in Russland, nach dem Krieg bauen die Zwillinge ihre Existenz allmählich auf, da sind sie auch schon weit über 30. Keine leichte Sache, zumal mit Familie. Was das Buch in meinen Augen besonders auszeichnet, ist aber der Anhang. Die älteste Schwester hatte Aufzeichnungen über die Familiengeschichte zwischen 1908 und den frühen 20er-Jahren hinterlassen - und das ist nun wirklich eine “verlorene Welt”, an der man lesend teilhaben kann. Ein weiteres Familienmitglied hat das Kriegsende in Tübingen und die folgenden Monate in zahlreichen Briefen festgehalten. Dieses Buch ist tatsächlich ein “Familienband” - die ganze Familie in einem Buchband.

Als der Berg rief

Dienstag, 08. Februar 2011 15:54

herr-der-ringe-berg.jpg
Hier mal was schmerzlich Autobiografisches. Als ich letzten Sommer wandern war, war ich von diesem Ausblick so fasziniert, dass ich unachtsamerweise ausrutschte und mir den Haxen brach. Aber schaut diesen Berg: Blickt der rechte nicht recht janusköpfig auf den kleinen Stein links?

Neubeginn mit Zeppelin

Montag, 07. Februar 2011 12:08

Langer Pause kurzer Sinn: Es geht weiter. Der Umzug in ein fremdes Land (und die Schweiz ist durchaus fremd. Politisch gesehen, “fremdelt” sie derzeit sogar) und die Übernahme neuer Aufgaben liessen mir weder Muss noch Zeit für das Biografieblog. Das soll sich ändern. Immerhin hat sich im vergangenen Jahr auch genügend Stoff angesammelt, über den man berichten kann.
Aber fangen wir mit etwas aktuell-banalem an: dem aktuellen Fernsehprogramm. Da hat RTL ja gestern und heute den Zweiteiler Hindenburg im Sortiment. Habe den gestrigen Teil nur aufgenommen, werde mir aber beide dann am Stück anschauen. Auch wenn ich jetzt schon weiss, dass es Schmonzes ist. Aber egal, Heiner Lauterbach soll Hugo Eckener spielen. Und den wollt ich mal sehen. Eine meiner Erzählerinnen heiratete in den 30er-Jahren, und Eckener, Chef ihres Gemahlen, war auf ihrer Hochzeit. Mal schaun, wie der Heiner das hinkriegt…
Ürbigens: Der moderne Nachfolger des damaligen Zeppelins, der Zeppelin NT, kreist bei schönem Wetter öfter über meinem Balkon. Gut, dass er nur noch mit Helium befüllt ist.